Museum, Was läuft?

Archivierte Tiere – eine virtuelle Ausstellung

Ingrid Schneider: Illustration zu Delphinensommer (Coverbild). Privatbesitz.

Ein Hähnchen, das am Beginn von Annette von Droste-Hülshoffs dichterischem Schaffen steht. Ein sprechender Delphin, mit dem die halb vergessene Kinderbuchautorin Katherine Allfrey uns in die Welt der griechischen Antike entführt. Ein Fisch, den der vielfach preisgekrönte Lyriker Ernst Meister zu einem verstörenden Mahl serviert.

Phantasietiere, durch die der Universalkünstler Jürgen Schimanek auf bizarre Weise in die Welt blickt. Mauersegler, die der Gegenwartsautor Ulrich Horstmann in schwindelnde Höhen seines Gedankenkosmos steigen lässt: Weit davon entfernt, nur passive Objekte oder Zeichen für etwas Anderes zu sein, entfalten diese und viele andere Tiere in den ausgestellten Manuskripten und Typoskripten, den Gedichten, Liedern, Romanen, Aphorismen, Zeichnungen, Gemälden, Skulpturen und Fotos ihre eigene Dynamik. Gemeinsam ist ihnen, dass sie alle auf ihre Weise danach fragen, wo die Grenze zwischen Tieren und Menschen verläuft – und damit auch danach, was den Menschen eigentlich ausmacht.

Zum zwanzigjährigen Bestehen des Westfälischen Literaturarchivs im September 2021 präsentieren wir die virtuelle Ausstellung „Archivierte Tiere“, die am 28. September unter www.archivierte-tiere.lwl.org eröffnet. Das gemeinsame Projekt der LWL-Literaturkommission und des LWL-Archivamts für Westfalen stellt einige der zahlreichen Tiere vor, die das Westfälische Literaturarchiv bevölkern. Es lenkt den Blick auf den Anteil der Tiere an der Entstehung von Literatur und Kunst und macht dabei auch bisher unveröffentlichtes Archivmaterial zugänglich.

Die Ausstellung wendet sich sowohl an Fachkreise als auch an die breite Öffentlichkeit. Sie zielt darauf ab, durch das allgemein zugängliche Thema Tiere auch komplexe Texte wie die Lyrik Ernst Meisters zu erschließen und aus der Forschungsperspektive der aktuellen Animal Studies auf verständliche Weise zu beleuchten. Indem sie den Blick auf die Verhältnisse von Menschen und Tieren und die damit verknüpften ethischen Fragen lenkt, kann sie einen Beitrag zu einer Bildung für nachhaltige Entwicklung und damit zu einem Bildungsziel der UNESCO-Agenda 2030 leisten. Die Ausstellung lässt die Materialität der Archivalien hervortreten und macht so die Bedeutung archivierter Text- und Bildträger zum Ziel kultureller Nachhaltigkeit sichtbar.

Die Ausstellung ist kostenlos und längerfristig zugänglich, sie ist per Screenreader und Vorlesefunktion lesbar. Wir laden Sie ein, unter www.archivierte-tiere.lwl.org die Tiere in unserem Archiv zu entdecken!

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