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„Fantasy im Münsterland“ – eine Buchreview

Fantasy als Genre ist wohl seit jeher eins der beliebtesten in der Literatur und auch in so ziemlich allen anderen Unterhaltungsmedien. Von Tolkien über Paolini bis hin zu all den aufstrebenden Autor:innen, alle haben sie eins gemeinsam: ihre Liebe zu fantastischen Welten. Dass man, um Abenteuer zu erleben, nicht immer in ferne Welten reisen muss (auch wenn man das beim Lesen natürlich relativ betrachten kann), zeigt sich in dem Sammelband, um den es heute gehen soll.

Ende Juli ist im Aisthesis Verlag die Anthologie „Fantasy im Münsterland“ erschienen – und der Name ist Programm. Das Besondere an dieser Sammlung von Kurzgeschichten ist der Bezug aller Mitwirkenden zu Münster und Umgebung. Entweder stammen sie selbst aus dieser Ecke des schönen NRW, oder sie schreiben Geschichten mit Bezug zu Orten wie z.B. Lengerich. Spätestens so wird dann auch allen fantasybegeisterten Münsteraner:innen bewusst: das, was man sonst in Bestsellern liest, kann unser Münster auch!

Kommen wir nun also zum Buch an sich. „Fantasy im Münsterland“ umfasst 15 Kurzgeschichten zum Thema Fantasy, geschrieben von Autor:innen, die Münster ihre eigene Heimat, oder Ort ihrer Geschichte nennen. Auf rund 270 Seiten bietet sich ein breites Spektrum an Welten: von Wikingern, Trollen über Hexen bis hin zu Sonnen- und Mondkriegern wird einiges aus dem Fantasy-Repertoire vorgestellt und ist – ganz nebenbei erwähnt – auch noch passend von der Herausgeberin Maximiliane Spieß illustriert worden, was für Begeisterte der Ästhetik noch die Kirsche auf dem Sahnehäubchen ist. Die Vielfältigkeit der Kurzgeschichten bietet zum einen die Möglichkeit, sich nicht auf eine Welt festzulegen und zum anderen kann man so auch prima in potentielle Nachwuchsschreiber:innen reinschnuppern. Ich persönlich habe so unter anderem Marie Weißdorn für mich entdeckt – ihr Name war mir zwar zuvor schon untergekommen, aber im Zuge der Anthologie habe ich mich regelrecht in ihren Schreibstil verliebt, weswegen ich auch gleich noch kurz auf einen von ihr verfassten Beitrag zu sprechen kommen möchte.

Den ganzen Inhalt des Sammelbandes vorwegzunehmen wäre aber unfair – sowohl für gespannte Leser:innen als auch für den Support, den dieses Schmuckstück verdient hat. Einen kurzen Einblick kann man aber ja trotzdem geben. Am besten startet man da wohl am Anfang – das passt auch gut, weil die erste Kurzgeschichte mich schon absolut überzeugt hat.

„Der Turm“ von Katja Angenent hat ein bezauberndes Ende, welches man erst durchschaut, wenn man auf die Hinweise achtet, die zuvor bereits in der Geschichte verstreut sind. Verraten werde ich es euch nicht, dann ist der Kern der Geschichte schon offenbart, aber ich finde diesen überlegten Aufbau und die Erzählperspektive äußerst charmant.

Ein weiterer Beitrag, mit dem ich tatsächlich überhaupt nicht gerechnet habe, ist eine Erzählung von Annette von Droste-Hülshoff… Jetzt denkt man sich vielleicht, wieso – die gute Dame lebt schon seit Längerem nicht mehr. Allerdings ist ihre Kurzgeschichte bis jetzt unveröffentlicht und führt einem zudem vor Augen, dass die Flucht in fantastische Settings keine moderne Erscheinung ist, sondern Schriftsteller:innen dies auch früher schon als eine Möglichkeit genutzt haben, realen Problemen zu entkommen. Wie weiter oben schon angekündigt, möchte ich auch noch eine letzte Kurzgeschichte vorstellen: den ersten Beitrag von Marie Weißdorn mit dem Titel „Das Licht in Uns“. Dass ich eine hoffnungslose Romantikerin bin, wusste ich zwar schon vorher, aber die Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren und die dramatische Schicksalswendung hat mir wieder in Erinnerung gerufen, dass auch in Fantasy-Büchern, meiner Meinung nach, die Romantik nicht fehlen darf.

Fazit: Jede Seite dieser Anthologie ist es absolut wert, gelesen zu werden. Ob zwischendurch, um dem Arbeitsalltag zu entfliehen, oder zum am-Stück-Schmökern – das Lesen der Kurzgeschichten bereitet unheimlich viel Freude (und hat noch den Vorteil, dass man den Vorsatz, nur noch ein Kapitel zu lesen, auch mal einhalten kann).

 

Von Kyra-Anna Weiß

 

Mehr Informationen zur Anthologie gibt es beim Aisthesis Verlag. Dort kann man das Buch auch direkt bestellen – genauso natürlich im lokalen Buchhandel. #supportyourlocalbookstore

Die Autor:innen:

Katja Angenent

Olga Baumfels

Hendrik M. Bekker

Lars Hannig

Smilla Johannsson

Hannah von Legat

Stephan Linnenbank

Maximiliane Spieß

Bernhard Trecksel

Marie Weißdorn

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