Autoren, Bücher, Ins Regal gegriffen

Bernhard Trecksel – Nebelmacher

Dark Fantasy aus dem Münsterland? Vielleicht nichts, was man auf den ersten Blick in Verbindung bringen würde – doch unser heutiger Griff ins Regal zeigt: es gibt nichts, was es nicht gibt in der westfälischen Literaturlandschaft, also auch blutige Fantasyepen wie Bernhard Trecksels Nebelmacher (blanvalet, 2015).

Mit dem Fall der Titanen, der alten Götter, hat sich ein undurchdringlicher, nie endender Nebel über das Reich Thetis gelegt. Während die Bewohner der Pentae, der Metropolen, davor zittern und ihre Lebensräume mittels magischer Steine vom feindlichen (stellenweise durchaus als gefräßig beschriebenen) Nebel freihalten, scheinen die Barbarenstämme der Außengebiete, die noch dem Titanenglauben anhängen, problemlos mit den widrigen Bedingungen zurechtzukommen.

Die Erzählung begleitet in vier zunächst voneinander unabhängigen Handlungssträngen einen Attentäter (den berüchtigten Totenkaiser) sowie eine Templerin, einen Barbaren und einen Inquisitor, die jeder für sich aus unterschiedlichen Motiven den Totenkaiser zur Strecke bringen wollen. Vom Aufbau entspricht der Nebelmacher damit einem im Fantasybereich gängigen Schema, hervorstechendes Merkmal von Trecksels Erzählweise sind die stellenweise sehr ausgebreiteten Gewalttätigkeiten, Mord und Kriegshandlungen werden bis ins Detail beschrieben, sodass dieses Buch auch für Fantasyfans gewöhnungsbedürftig daherkommen dürfte.
Dennoch hat der Nebelmacher durchaus seine literarischeren Momente:

„Sie hat Zähne aus Eisen. […] Zwei Zähne. Es ist dunkel dort, wo die Nacht ihre Augen hat. Sie lacht noch, als sie Olaigh mitnimmt. Ich kann die Wunde in ihrem Gesicht sehen, die zuckt, wenn die Nacht lacht. Nacht lacht. Nachtvogel. Dann sehe ich Olaigh, und er sieht mich auch. Sieht mich an. Die Nacht trägt ihn als Schmuck und nimmt ihn mit. Der Regen ist warm, obwohl wir Sonneleid schreiben, so warm. Er schmeckt nach Salz.“

Wenn Trecksel als seine literarischen Vorbilder Robert E. Howard (Conan, der Barbar) oder Wolfgang Hohlbein nennt, werden einige Einflüsse klar – aber auch eine große Altertumsbegeisterung spiegelt sich in dem Roman wider (sei es bei römisch-griechisch anmutenden Bürgern oder schottisch-bekilteten Barbaren), die jedoch nicht verwundern wird, denn Trecksel ist von Haus aus Archäologe und Skandinavist.

Fazit: Geschmackssache. Wer aber einmal auf den Geschmack gekommen ist, kann sich freuen, denn es sind bereits alle Teile der Trilogie (Nebelgänger 2016, Nebeljäger 2017) erschienen.

Bernhard Trecksel, Jahrgang 1980, lebt in Münster, er arbeitet als Übersetzer, Rezensent und, seit Nebelmacher, als Autor.

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