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Großes Kino auf Nottbeck

Mit Das letzte Land wurde am Samstag im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Aliens Welcome!“ ein Hollywood-würdiges Stück Science-Fiction Geschichte geschrieben.

Zwei Männer in einem Raumschiff: was sich zunächst nach dem Beginn eines Witzes anhört, ist tatsächlich die Grundausstattung des am Samstag auf Nottbeck vorgestellten Science-Fiction Films Das letzte Land. Insgesamt 5 Mitglieder des Filmteams waren zu Gast (Marcel Barion, Philipp Bojahr, Johannes Bade, Carolin Utsch und Torben Föllmer); die Zuschauer wurden von Susanne Schöneich von der Literaturkommission für Westfalen durch den Abend geleitet, die auch das anschließende Q&A mit der Filmcrew übernahm.

Das durch Crowdfunding finanzierte Projekt Das letzte Land ist eine Zwei-Mann-Performance auf engstem Raum, welche nicht etwa durch modernste Computeranimation oder atemberaubende Effekte glänzt, sondern durch die schauspielerische Leistung der beiden Protagonisten und die dazu gekonnt eingesetzte Montage und Musikuntermalung der einzelnen Szenen. Binnen 113 Minuten wird eine Geschichte durch Raum und Zeit erzählt, von Wüsten- und Gasplaneten und dubiosen Raumstationen in den Weiten des Alls, und all das mithilfe von handgefertigten Modellen und raffinierter Beleuchtung. Rund 10 Jahre hat die Produktion gedauert, von denen mindestens 2 Jahre für die Herstellung des Filmsets ins Land gingen (ist das schon ein Wortwitz?), welches durch teilweise doch recht ungewöhnliche Methoden zustande kam. So wurde das Innere des Raumschiffs, welches als Hauptset des Films dient, u.a. anhand von Styropor, sämtlichen Teilen aus dem Inneren einer Waschmaschine sowie Verpackungsmaterialien angefertigt. Die einmalig zu sehende Wüstenlandschaft eines Planeten wurde laut Aussage der Filmcrew durch starke Beleuchtung eines Pfannkuchens kreiert; der Kreativität waren hier also augenscheinlich keine Grenzen gesetzt!

Auch inhaltlich lässt der Streifen absolut nicht zu wünschen übrig. Zwei auf den ersten Blick völlig unterschiedliche Charaktere (gespielt von Torben Föllmer und Milan Pešl) brechen mithilfe eines altersschwachen Raumschiffs ins All auf, ohne jegliches Ziel, wie es scheint. Nur eins verbindet sie: sie wollen weg von dem Ort, von dem sie gestartet sind, wobei unklar bleibt, was oder wo dieser Ort ist. Auf ihrer Reise durchs All kommt die Frage auf, woher das geborgene Raumschiff stammt und was mit der ursprünglichen Besatzung passiert ist. Einem der beiden Männer kommt der Verdacht, das Schiff könnte möglicherweise von der Erde stammen, gefolgt von dem Wunsch, selbst dorthin zu reisen. Wie sich jedoch herausstellt, ist die Erde schon lange Zeit ein Mythos, und niemand weiß, ob und wo sie tatsächlich existiert.

Der Film erinnert nicht nur durch Retrotechnik wie klobige, langsame Computer und manuelle Boardbedienung an Science-Fiction Filme aus den 70ern; so wurde die Suche nach der Erde schon auf ähnliche Weise porträtiert in Philip K. Dicks 1953 erschienener Kurzgeschichte The Impossible Planet, welche zwar einen gänzlich anderen Ausgangspunkt hat, teilweise jedoch stark an die Geschichte der Charaktere in Das letzte Land erinnert. Auch in The Impossible Planet reisen zwei Männer durch das Weltall, mehr oder weniger auf der Suche nach der legendären Erde, die es allem Anschein nach nicht mehr gibt, oder vielleicht auch nie gegeben hat.
Beim Durchstöbern der Logbücher und auf der Suche nach der Antwort auf die Herkunftsfrage des Raumschiffs sucht unser Protagonist in Das letzte Land erst nach dem Wort „Erde“, dann nach „Heimat“. Passenderweise wurde The Impossible Planet, neben Der unmögliche Planet, u.a. im Deutschen auch mit Heimkehr übersetzt. Die zwischenzeitliche Landung auf dem goldenen Gasplaneten erinnert zudem dezent an die Ankunft der Protagonisten auf der unbewohnbaren Erde am Ende von The Impossible Planet, was wiederum die Frage aufwirft: haben wir in Das letzte Land die Erde gefunden? Werden wir uns irgendwann so weit von unserem Heimatplaneten entfernt haben, dass wir vergessen werden, woher wir kommen? Und wird unsere Zukunft so trist aussehen, dass wir uns auf die unendliche Reise zu unserem Ursprung machen werden, so wie Geschichten wie The Impossible Planet und Das letzte Land es uns vormachen? Das Ende bleibt offen.
Fragen über Fragen, die wohl niemals beantwortet werden, denn laut Filmcrew soll es keine Fortsetzung geben! In Zeiten der mehr schlechten als rechten Sequels ist das aber wohl nicht weiter schlimm; letztendlich regt Das letzte Land massiv zum Nachdenken an, und das kann man nie genug tun. Wenn dieser erinnerungswürdige Abend auf Nottbeck uns aber eins ganz sicher mitteilt, dann folgendes: gute Filme müssen nicht mit großem Budget von namhaften Personen gemacht werden; mit genug Nerven und Fantasie ist alles möglich, wie uns Das letzte Land beweist.

– Julia Struck

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