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text&talk: Rodneys Underground Press

Unbequem, anarchisch, direkt – Als Sprössling der Social Beat-Bewegung publiziert Rodneys Underground Press unter Verleger Roland Adelmann gesellschaftskritische Literatur und das bis heute. In Zeiten von ebook und Online-Vertrieb veröffentlicht der Verlag ausschließlich in gedruckter Form und setzt damit ein Zeichen gegen die digitale Massenabfertigung auf dem heutigen Buchmarkt. Mehr im heutigen Portrait: 

Seit 27 Jahren verlegt und vertreibt der Verlag rund um Roland Adelmann Underground-Literatur in gedruckter Form. Und das ausschließlich. Vor dem Hintergrund des digitalen Zeitalters ist der Buchdruck bei Rodneys Underground Literatur (RUP) zu einer Revolte gegen die Schnelllebigkeit und den Untergang von Magazinen und Zeitschriften geworden. RUP setzt vor allem auf Literatur, die nicht konform ist und das auch gar nicht sein will. Sie soll (gesellschafts-)kritisch, politisch und gerne unbequem sein – und das vollkommen unabhängig von Online-Vertreibern wie Amazon. Der Literatur und den Autor*innen wird hier größtmöglicher Respekt gezollt, „Schließlich haben die Schriftsteller und Schriftstellerinnen Schweiß, Tränen und Blut vergossen für ihre Werke.“

Zur Autorenschaft zählen die wichtigsten Vertreter*innen der Underground-Literatur, die ein vielfältiges Programm aus feinster Lyrik und gehaltvoller Prosa garantieren. Eine Ladung sozialen Sprengstoff gibt es inklusive.

Die Anfänge von Rodneys Underground Press liegen in der vor allem in den neunziger Jahren stark präsenten Social Beat-Bewegung. In den 1980ern wurden die ersten Grundsteine der Bewegung gelegt, denn durch die neue Technologie des Kopierens konnte jeder, der wollte, billig und schnell seine Gedanken aufs Papier bringen und vervielfältigen. Vor allem die Punks verbreiteten mit ihren sogenannten Fanzines Texte, Gedichte oder Pamphlete, in denen es um Musik, Konzerte und das eigene Leben ging.

Mit der Anthologie „Downtown Deutschland“ wurden die Gedanken der aufkeimenden Szene erstmals in ein Buch gefasst. Im weiteren Verlauf wurde die Szene vor allem durch verschiedene große Social-Beat Literaturfestivals weiter aufgebaut, gleichzeitig stellte sich aber auch immer mehr die Frage, was Social Beat überhaupt war. Vielleicht ein neues literarisches Bewusstsein, das dazu führte, den Schrott in der Gesellschaft auszugraben und sichtbar zu machen.

Mit Büchern wie „Die letzten Überlebenden von No Future“, „Bier im Frühstück, Tschernobyl im Arsch“ (Adelmann), „Leben gefährdet die Gesundheit“ (Hermann Borgeding) oder „Die totale Verkommenheit“ (Jenz Dieckmann) gehen die Autor*innen bei RUP unter anderem auf die Abgründe und das Scheitern der modernen Gesellschaft ein. Dabei steht vor allem der einzelne Mensch im Vordergrund, der versucht, sein eigenes Leben innerhalb dieser Strukturen zu verwirklichen.

All das muss beim Verlag aber nicht nur in Büchern diskutiert werden, sondern findet sich manchmal auch einfach ’nur‘ in einem Chapbook, die schon in den Anfängen der Social Beat Bewegung gefeiert und begehrt waren. Neben diesen und weiteren Publikationen erscheint in mittlerweile sechster Ausgabe das Magazin „MAULhURE“.

Durch die beständige gesellschaftliche Kritik und das Erfassen der menschlichen Existenz abseits des literarischen Mainstreams schafft sich RUP in Zeiten, in denen das Lesen immer mehr als Zeitverschwendung betrachtet wird, einen eigenen Platz: Literatur, die echt ist und trotzdem oder gerade weil sie aneckt, den Freigeist des Einzelnen wachzurütteln vermag. Und solange bis alles einmal ausstirbt und die Gesellschaft dann doch vollends den Glauben an das Buch verliert, wird bei Rodneys Underground Press weiter gedruckt und daran erinnert, dass Lesen immer noch die schönste Zeitverschwendung ist.

 

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