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Musik und Münster: Ernst Hofacker kredenzt in seinem Debütroman musikalisches Lokalkolorit

Über Musik und Popkultur hat Ernst Hofacker bereits diverse Bücher publiziert. Nun hat sich der Musikjournalist auf die fiktionale Ebene gewagt und seinen ersten Roman geschrieben. Flint oder der wundersame Gesang des Mellotron ist im Frühjahr im agenda Verlag erschienen und erzählt die Geschichte des Musikers Raphael Conradi, der von allen nur ‚Flint‘ genannt wird und sich in einer tiefen Krise wiederfindet: Der Protagonist wurde von seiner Freundin verlassen und seine Musikerkarriere scheint ebenfalls vor dem Aus zu stehen. 

Hofackers Roman in eine Schublade zu stecken, fällt schwer. Die zwei Handlungsstränge, die beschreiben kapitelweise abwechselnd die Jugend und Gegenwart des Protagonisten. So findet sich der Leser sowohl mit einer Coming-of-Age- als auch mit einer Beziehungsgeschichte konfrontiert. Was beide Handlungsstränge verbindet, ist die Liebe zur Musik, die sich durch Flints ganzes Leben zieht.

Auch auf struktureller Ebene geht es musikalisch zu, da sich der Roman an der Struktur eines Musik-Songs orientiert: So gliedert sich das Buch in „Intro“, „Bridge“ und „Outro“, zwischen die jeweils ein „Gesang“ eingefügt ist. Darüber hinaus sind diverse Song-Zitate zu finden, die zum Geschehen der Handlung passen.

Dass die Musik und die Leidenschaft dieser ein solch zentrales Thema des Romans darstellt, ist wohl der Biografie des Autors zu verdanken. Hofacker, der in Recklinghausen geboren wurde und heute in Münter lebt, hat als Musikjournalist bereits für den Musikexpress und den Rolling Stone geschrieben sowie mehrere Sachbücher zur Musik- und Populärkultur verfasst. 2013 wurde er von der deutschen Fachpresse als „Fachjournalist des Jahres“ ausgezeichnet. Hofacker selbst spielt Gitarre. Angesichts dessen überrascht es nicht, dass Hofacker die Leidenschaft zur Musik glaubwürdig zum Ausdruck bringen kann. Über seinen Protagonisten vermittelt Hofacker dem Leser auf sehr lebendige Art und Weise, welchen Stellenwert (Rock-) Musik für Musiker oder Musikfans einnehmen kann.

Neben der Musik spielt auch die Stadt Münster eine nicht unerhebliche Rolle in Ernst Hofackers Roman. An zahlreichen Stellen begegnet dem Leser Lokalkolorit in Form von Ortsbeschreibungen oder Anspielungen auf Persönlichkeiten der Stadt. So begegnen dem Leser nicht nur Straßenzüge aus Kreuz- oder Kuhviertel, sondern auch Charaktere wie Lukas und Hardy, die an die aus Münsters Musikszene bekannten Adam Riese und Götz Alsmann erinnern.

Deswegen sei der Roman nicht nur Musikfans, sondern auch Münster-Interessierten empfohlen.

Hofacker, Ernst. Flint oder der wundersame Gesang des Mellotron. Münster: Agenda-Verlag, 2019. 304 Seiten. ISBN: 978-3-89688-622-4

(Kristina Reen)

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