Allgemein, Autoren, Porträt

Ein Hausfreund sagt Valet. Zum Tode von Wiglaf Droste

Gut drei Jahre unterhielt er auf dem Kulturgut Nottbeck eine Art Lesebühne mit dem schönen Titel „Nottbeck City Limits“. Er bescherte uns da

mit legendäre Abende. Zu seinen Gästen zählten Harry Rowohlt, Friedrich Küppersbusch, Fritz Eckenga, Hans Zippert und auf musikalischer Ebene Danny Dziuk, Uschi Brüning und Luten Petrowsky. Unvergessen auch seine Gemeinschaftslesung mit Ralf Sotschek, Friedrich Küppersbusch und Klaus Bittermann als Prolog unserer Buchmesse text and talk 2015. Und natürlich seine drei Auftritte mit dem Spardosenterzett, darunter eine exklusive Wilhelm-Busch-Hommage mit der Vertonung von Busch-Gedichten, auf CD erschienen in unserer hauseigenen Reihe „Live auf dem Kulturgut“. Ganz und gar denkwürdig ist jedoch jener Abend, als Wiglaf Droste 2005 in Nottbeck den Annette-von-Droste-Hülshoff-Literaturpreis entgegennahm, musikalisch wiederum begleitet vom Spardosenterzett, das ihm ein Extraständchen darbrachte. Der Saal kochte und es gab Standing Ovations. Dass er saltoschlagend auf der Bühne seinen nagelneuen Anzug ramponierte, passte ganz zu diesem übermütigen Abend, der noch stundenlang hätte andauern können. Der Preis bedeutete ihm viel. Er war – wie auch der Peter-Hille-Preis (2013) – ein Indiz dafür, dass er von der etablierten Literaturwelt anerkannt wurde, vor allem auch in westfälischen Breiten. Man sah in ihm zurecht einen direkten Nachfahren Kurt Tucholskys, der ebenfalls politisch unmissverständlich, polemisch und, wenn es sein musste, auch „unfassbar grob“ (Droste) seine Widersacher dem Spott auslieferte und es dabei nie an Verve, Witz, literarischer Versiertheit und Brillanz fehlen ließ. Zu meiner Freude beteiligte er sich an unserm Projekt „Ich schreibe, weil…“ mit einer Lesung und einem Interview, das wir seinerzeit in Rheinsberg aufzeichneten, wo Droste gerade das Kurt-Tucholsky-Stipendium innehatte. Wir haben uns all diese Jahre immer wieder getroffen, meist anlässlich seiner Lesungen, aber auch zu privaten Anlässen. Droste war ein Workaholic, er arbeitete rastlos, wie besessen, immer hellwach und war bei allem Leiden an der Welt doch jemand, der das Leben, die Liebe, Freundschaften und das Kulinarische feierte. In einem seiner letzte Texte bilanziert er: „Das Wichtigste: Küsse (viele). Zeit haben – also sie sich nehmen. Zusammen in der Küche sein. Sprechen. Über alles, das zählt: Wie man wurde, der man ist. Wie es weitergehen kann.“ Ein Lied, das er besonders gern auf der Bühne sang, war „Knocking on Heavens Door“. Nun hat er die Himmelspforte durchschritten. Wiglaf Droste starb am 15. Mai plötzlich und unerwartet mit 57 Jahren im bayerischen Pottenstein.

(Walter Gödden)

Diskussion

Hinterlassen Sie einen Kommentar oder setzen Sie einen Trackback.

Kommentare abonnieren.

Bitte fair bleiben. Wir behalten uns vor, gegebenenfalls Kommentare zu löschen.

Sie können diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*Notwendige Angaben