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Sex, Drugs and Rock’n’Roll: Marc Degens »Fuckin‘ Sushi«

Verlag: Dumont 2015

Unser aktueller Praktikant hat eine Leseempfehlung für alle Pendler und Pendlerinnen, die sich die Zeit mit einem unterhaltsamen Roman vertreiben wollen!

»Degens‘ Roman zu lesen macht ungemein Spaß. Der schnelle Rhythmus der meist kurzen Sätze und die lakonischen Dialoge geben „Fuckin Sushi“ einen Geschmack von Kino.« (Bernhard Hartmann, Generalanzeiger Bonn)

»Für mich der Pop-Roman (bzw. Progrock-Roman) des Sommers. Smart, kurzweilig und eine tolle Sprache.« (Linus Volkmann)

Viele Bands zersplittern genauso schnell, wie sie sich gefunden haben. Meistens bekommt man das außerhalb gar nicht mit, einen Einblick in das kurze Leben einer Band aus Jugendlichen gibt Marc Degens 2015 erschienener Roman „Fuckin‘ Sushi“. Es geht um die Entstehung, das kurze Aufblühen und das Ende der gleichnamigen Band. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Niels, der zu Beginn in eine neue Stadt, nämlich Bonn, zieht und neue Freunde finden muss. Naja, nicht ganz. Zu Beginn wird uns nämlich ein kurzer Vorgriff auf ein kommendes Ereignis gegeben, in dem Niels und sein Vater ein Mädchen „verschleppen“, nicht gegen ihren Willen, aber ganz offensichtlich gegen den ihrer Mutter. Diesen Vorgriff braucht die Geschichte nicht, die Figuren sind auch so interessant genug und die Lektüre ist ohnehin sehr kurzweilig. Mit den Jungs René und Yannick freundet Niels sich an, findet ersteren aber cooler, da Yannick ein ziemlicher Nerd ist. Aus einem Impuls heraus entscheiden beide, auch wenn Niels zuerst eher zurückhaltend dabei ist, miteinander Musik zu machen. Beide reisen in ein nahegelegenes Kaff, nämlich nach Bad Münstereifel, und spielen vor dem Heino-Cafe, ohne Übung, ohne Noten, ganz experimentell. Dabei entsteht eine Bindung, aus der ein(e) Band entsteht. Ohne zu viel verraten zu wollen: Nach und nach werden neue Bandmitglieder eingeführt, ein Proberaum organisiert und Auftritte zustande gebracht. Nebenbei passieren auch privat ein paar Dinge bei den Figuren, aber das sei hier mal dahingestellt.

So kurzweilig wie das Leben der Band ist, ist auch die Sprache des Romans. Direkt und prägnant, eine Aktion folgt auf die Andere, klar und ohne viel drum herum. Es ist eine einfache und vergnügliche Lektüre, die jedoch auch sehr unmittelbar und schnörkellos abläuft. Anders gesagt: Überraschend ist an der Geschichte doch wenig und viel Fleisch an den Rippen hat sie auch nicht. Ob das nun gut oder schlecht ist muss jeder für sich selbst entscheiden, das hängt von Gewohnheiten und Vorlieben ab. Die reduzierte Beschreibung, lässt den Leser teilweise orientierungslos in Raum und Zeit zurück. Nicht zuletzt ist dies vermutlich dem hohen Tempo der Erzählung geschuldet, das die Lebensrealität der Figuren reflektiert.

Spaß, ja am Ende geht es in dem Buch auch um Spaß. Darum, den Figuren beim Leben ihrer größtenteils unbeschwerten Jugend zu verfolgen, wie sie auf den Auftritten Stimmung verbreiten, wie sie Zeit miteinander verbringen, die Sexualität entdecken, stets ein Bier zur Hand haben. Die geschilderten Ereignisse wirken glaubhaft, scheinen zwar zunächst surreal zu sein, aber genauso ist es doch, wenn eine Gruppe junger Menschen plötzlich unvorhersehbar berühmt wird. Wie ein Traum, aus dem man irgendwann erwacht.

Ich empfehle dieses Buch weiter, gerade an jüngere Leute. Es ist zwar kein Buch, welches einem die Welt aus einer komplett neuen Perspektive zeigt, keines, das sich intensiv mit einem komplexen Thema auseinandersetzt, aber das will es auch gar nicht sein. Was dieses Buch ist, ist eine amüsante, leichtherzige Lektüre für Zwischendurch. Gerade wenn man jünger ist, vor allem wenn man dazu noch selbst Musik macht, dürfte dieses Buch eine gute Lektüre sein. Ich für meinen Teil bin jetzt gespannt auf Degens aktuelles Buch, das den Titel Eriwan trägt.

Eriwan, das ist die Hauptstadt von Armenien. Das Buch ist kein Roman, es ist das Porträt eines Landes, welches dem Leser anhand von Beschreibungen und Bildern ausgebreitet wird. Zwar thematisch ein gewaltiger Sprung von Fuckin‘ Sushi, aber gerade deshalb auch interessant. Degens war in seinem Leben Mitglied in mehreren Bands und hat daraus sicherlich viel Inspiration für Fuckin‘ Sushi gewonnen. Er versteht also etwas von dem, worüber er schreibt, und das merkt man. Ebenso ist dies in seinem neuen Buch, denn in Eriwan hat er drei Jahre lang, von 2007 bis 2010, gelebt. Nun erzählt er uns davon, von einem Land, das hierzulande vermutlich nur wenige gut kennen, über das es aber vermutlich viele interessante Dinge zu erzählen und zu lernen gibt. Es erschien am 15.8.2018 bei Ille & Riemer.

Von Mark Remisch

 

Mehr Infos zu Marc Degens:

Marc Degens

 

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