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Bianca Boer gewinnt Preis für das beste niederländische Gedicht

Wir gratulieren Bianca Boer zum Poesiepreis der Stadt Ostende. Mit ihrem Gedicht Laatst, in de ochtend konnte sie sich gegen 631 Mitbewerber*innen durchsetzen. Der Preist ist mit 3.000 € dotiert. Sie war und ist immer wieder Gast des Kulturguts und hat sich hier bereits mehrmals für längere Schreibphasen zurückgezogen. Zusammen mit ihrer Familie wohnt die aus Groningen stammende Schriftstellerin in Rotterdam. Dort schreibt sie Poesie, Prosa und Literatur für Kinder.

Mehr Infos und ein Video der Preisverleihung gibt es hier: http://www.atlascontact.nl/2018/01/26/bianca-boer-wint-de-poeziewedstrijd-van-de-stad-oostende-2017-2018/

 

Laatst, in de ochtend

toen wij de enigen waren die op de fiets diagonaal over het plein sjeesden,
zat jij achterop bij mij. Je deed je armen wijd, je was een vliegtuig
en we scheerden rakelings langs fluisterzachte vuilniswagens.

Toen wij die ochtend aan de overkant van het plein kwamen, zagen we
dat er zakken vol blauw aan de straat stonden. Daarin de restjes dag
die van de ramen gel ekt waren. Geen enkel etmaal past precies.

Ergens wisten we natuurlijk dat het niet voor ons bestemd kon zijn
maar jij wilde zo graag even stoppen. ‘Toe nou mama…’ zei je,
en ik deed het en niemand keek en het stond daar maar te staan

in zakken, blauw aan de rand van het plein, al die snippers dag.
Dit is de stad, de slapende stad, de gapende stad, de ontwakende stad.
Mag je meenemen wat niet van jou is? Ik vulde mijn fietstassen

omdat ik je moeder ben. Die flarden komen nog goed van pas als je
vleugels laat groeien en je ergens in zal storten. Wees er zuinig op.
We hebben nu tijd genoeg om van elkaar te houden.

Wij zijn niet meer alleen op het plein als de zon opkomt en alles verbleekt. Daar zijn ook de vuilnismannen, op hun hielen gezeten door de wagen waarin, ‘Zie je dat mama?’, één voor één de zakken verdwijnen.

© Bianca Boer

Katharina Bauer hat Boers preisgekröntes Gedicht ins Deutsche übersetzt:

 

Neulich, am Morgen

als wir die einzigen waren, die auf dem Fahrrad diagonal über den Platz sausten,
du bei mir mit hintendrauf, breitetest du deine Arme weit aus, warst ein Flugzeug
und wir streiften an flüsterleisen Müllwagen haarscharf entlang.

Als wir an diesem Morgen an die andere Seite des Platzes kamen, sahen wir
dass da Säcke voll Blau an der Straße standen. Darin die Reste vom Tag
die aus den Fenstern gesickert waren. Kein einziger Tageslauf passt genau.

Natürlich wussten wir irgendwie, das konnte nicht für uns bestimmt sein,
aber du wolltest so gerne kurz halten. Sagtest „Los jetzt Mama…“
und ich tat es und niemand schaute und es stand da so rum

in Säcken, Blau, am Rand des Platzes, all diese Schnipsel Tag.
Dies ist die Stadt, die schlafende Stadt, die gähnende Stadt, die erwachende Stadt.
Darfst du mitnehmen, was nicht deins ist? Ich füllte meine Fahrradtaschen

weil ich deine Mutter bin. Die Fetzen kommen gerade recht wenn man sich
Flügel wachsen lässt und in irgendwas hineinstürzen wird. Gib gut darauf acht.
Wir haben nun Zeit genug um einander zu lieben.

Wir sind nicht mehr allein auf dem Platz, als die Sonne aufgeht und alles verblasst.
Da sind auch die Müllmänner und ihnen dicht auf den Fersen die Wagen,
in denen, „Siehst du das Mama?“, einer nach dem andern die Säcke verschwinden.

Übersetzung © Katharina Bauer

© Claudia Ehlert/ Boers Gedichte erscheinen u.a. in der Reihe Roter Faden Lyrik. Edition Haus Nottbeck.

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