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»Ein Meister seiner Art« – Ein Kommentar zu Jürgen Brôcans »hymnenrauh«

Cover Jürgen Brôcan »hymnenrauh. Gedichte« (roterfadenlyrik. Edition Haus Nottbeck). Oelde/Dortmund: Vorsatz Verlag, 2016.

Jürgen Brôcan – »hymnenrauh. Gedichte« (roterfadenlyrik. Edition Haus Nottbeck). Oelde/Dortmund: Vorsatz Verlag 2016.

Der schmale Band, zwei Zyklen und sechzehn Gedichte, enthält das Aufregendste, das ich jüngst in deutscher Lyrik las.  Der Autor, ein Liebhaber des Ruhrgebiets, in Dortmund ansässig, gibt mit seinem »dorstfelder päan« ein gutes Beispiel für die Art und Weise der geografischen Exkursionen in seiner favorisierten Umgebung. Dorstfeld ist ein Stadtteil der großen Konurbation Dortmund. Das  Gedicht beginnt mit dem Besingen der Luft (nicht staub-, nur steuerfrei), die köstlich ist (luft wie zerlassene butter) und führt über menschengemachte Landvermessungen mitten ins Hirn des aufmerksamen, schier alles wahrnehmenden Protagonisten.

Aus »hymnenrauh«. 2016, S. 26f.

Aus »hymnenrauh«. 2016, S. 26f.

In allen diesen Gedichten bilden Eigenerfahrung und Andererfahrung im Lesenden eine schillernde Symbiose. Etwas, das das Rätselhafte im Gedicht ausmacht, es zu einem geheimnisvollen, heilenden Text formt, an dem man forschen muss, um zum beglückenden Ergebnis zu gelangen.

Was immer wieder, auch in den beiden Zyklen »ästuare« und »anadrom«, auf überraschende Weise gelingt. In dem Gedicht »les baricades mistérieuses« (ein Musiktitel von Couperin) ist es das westfälische Licht, dessen Erfahrung und Eigenheit zu poetischem Aufschwung Motor für die Zeilen des Gedichts ist. Einer der besten Gedichtbände der letzten Jahre, außer den anderen Büchern von Jürgen Brôcan.

Asmus, 02.08.2017

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