Allgemein, Autoren, Bücher, Entdeckung

Negativ, aber witzig

hadihugs

Über einen Gedichtband der Lyrikerin Lütfiye Güzel

„der erste satz ist scheiße
aber er ist ein anfang“

So beginnt der Gedichtband hadi hugs der Duisburger Lyrikerin Lütfiye Güzel. Diese zwei prägnanten Zeilen offenbaren bereits den Ton, in dem es weitergeht: negativ, aber witzig, verzweifelt, aber pragmatisch und dabei immer nachdenklich. Es ist ein Gedankenfluss in Versen, der sich über knapp 65 Seiten erstreckt, ein „Selbstgespräch“ in der Ich-Form. Das Ich beobachtet Alltäglichkeiten vom Kaffeetrinken bis zum Wäschewaschen, es verzeichnet die eigene Stimmung zwischen Traurigkeit und Humor und nimmt auch das dramatische Weltgeschehen wahr, das sich in den Alltag hineinwebt:

„das meer verschluckt ein volk
und weihnachten sind dann ferien
man kann einen kaffee trinken
und dabei zusehen“

Lütfiye Güzels Bücher gelten als ‚Underground-Literatur‘ und werden vor allem wegen ihrer besonderen Mischung aus Melancholie und Schnodderigkeit gelobt. Gerrit Wustmann schreibt gar: „Es gibt keine Entschuldigung dafür, Lütfiye Güzel nicht zu lesen.“ Wem die Texte der Duisburgerin also noch nicht untergekommen sind, dem sei hadi hugs empfohlen. Es ist ein ruhiger Gedichtband, der den Traurigen gewidmet ist und in dem sich doch Dynamik und Wärme finden. Dementsprechend steht das türkische „hadi“ für ein drängendes „mach schon“, während das englische „hugs“ „Umarmungen“ bedeutet.

Sonja Lesniak

Lütfiye Güzel:
hadi hugs. selbstgespräch
go-güzel-publishing, 2016
10 €

Homepage der Autorin

Diskussion

Hinterlassen Sie einen Kommentar oder setzen Sie einen Trackback.

Kommentare abonnieren.

Bitte fair bleiben. Wir behalten uns vor, gegebenenfalls Kommentare zu löschen.

Sie können diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*Notwendige Angaben