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Mit Zauberei hat das Geschichtenschreiben eben auch zu tun

Funke (c) Dressler_Joerg Schwalfenberg

Mit Zauberei hat das Geschichtenschreiben eben auch zu tun.
Cornelia Funke, Tintenherz

Der Annette von Droste-Hülshoff-Preis des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) geht dieses Jahr an die weltbekannte westfälische Schriftstellerin Cornelia Funke. „Funke ist eine hinreißende und kunstvolle Erzählerin. Sie versteht es, Leserinnen und Leser jeden Alters in verschiedenste Fantasiewelten eintauchen zu lassen“, heißt es in der Begründung der Jury unter Vorsitz von LWL-Direktor Matthias Löb. Die Verleihung des mit 12.800 Euro dotierten Preises an die gebürtig aus Dorsten (Kreis Recklinghausen) stammende Autorin findet Ende des Jahres auf dem Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde-Stromberg statt. Dort war Funkes Drachenreiter schon 2013 einen Drachensommer lang als Erlebnisausstellung zu Gast und ihr Werk Gegenstand der beliebten Nottbecker Theatertage für Kinder im vergangenen Herbst.

Der Westfälische Literaturpreis für Cornelia Funke würdigt die fantastische Literatur und die Kinder- und Jugendliteratur, die das Werk der Autorin und Illustratorin ausmachen. Die Verleihung rückt vor allem junge Leser und Leserinnen dort in den Mittelpunkt, wo sie sonst oft vernachlässigt werden: ins Zentrum des literarischen Geschehens und der Aufmerksamkeit der Literaturschaffenden. Dabei zeichnet sich gerade vielgelesene Kinder- und Jugendliteratur doch durch die essentiellen Zutaten guter Geschichten aus: starke, aber alles andere als statische Figuren, einen roten Faden, einnehmende Sprache und eine Prise Magie.

Funkes Figuren sind vielseitigen Charakters, die Protagonisten jenseits von Egoismus und Intoleranz. Die Gespensterjäger sind, neben dem neunjährigen Tom, die grauhaarige Geisterjägerin Hedwig Kümmelsaft und das Mittelmäßig Unheimliche Gespenst (MUG) Hugo. Ein Silberdrache spielt in Funkes Welt eine ebenso große Rolle wie ein Waldkobold. So wie die Wilden Hühner ein neues Mitglied aufnehmen, beschützt die Bande des Herrn der Diebe die in Venedig gestrandeten Waisen und versteckt sie in einem alten Kino. Zwischen zwei Buchdeckeln werden ein Buchbinder zum Rebellenführer, ein Spion zum Freund und ein berüchtigter rotbärtiger Hehler zum quengelnden Kleinkind.

Feuerspucker, Fuchs oder Feenkönigin. Auf den Reisen zu Luft, zu Wasser oder in einem buntgescheckten Bücherbus werden die Protagonisten stets von treuen Freunden begleitet. Bis zum kleinsten Fliegenbein leben Funkes Figuren. Ihre schwarz-weißen Illustrationen stehen der fantasievollen Gestaltung der Charaktere in nichts nach. In Funkes Welten blitzen nordische Fabelwesen ebenso auf wie antike Stoffe und die Grimmschen Märchen. „Die Vorliebe für Märchen teilt die Autorin mit der Namensgeberin des Preises, Annette von Droste-Hülshoff“, so die Jury des Droste-Preises.

Vor allem Funkes Tintenwelt-Trilogie feiert die Literatur und das Buch. Liebevoll werden zerschlissene Folianten in neue Gewänder gekleidet, Glasmänner spitzen die Schreibfeder und trocknen die Tinte, das Vorlesen wird zur Zauberkunst erhoben. Bücher sind als Reisegefährten in eigens gezimmerten klatschmohnroten Schatzkisten verstaut, stapeln sich um geheime Schlafplätze, werden zu Portalen in andere Welten. Die vorangestellten Zitate eines jeden Kapitels knüpfen die Tintenwelt in ein Netz der Weltliteratur, von Michael Ende über William Shakespeare bis zu J.R.R. Tolkien.

„Ihre originellen und spannenden Bücher sind ein Plädoyer für die Macht der Fantasie, die in die Lage versetzt, selbst widrigste Lebensumstände zu meistern“ befindet die Jury. Funkes Helden und Heldinnen machen sich, wenn auch nicht immer ohnefurcht, auf die Suche, scheint das Ziel auch noch so unerreichbar wie der Saum des Himmels oder die Welt hinter einem Spiegel. Sie haben Angst, Mitgefühl und Mut, sie erleiden Verluste und Niederlagen, feiern Siege, überwinden Hindernisse, schließen neue Freundschaften und entdecken Welten. Blicken sie am Ende einer Geschichte zurück, haben sie vielleicht nicht genau das erreicht, was sie sich vorgenommen haben. Aber sie sind mit ihren Leserinnen und Lesern ein Stück über sich hinausgewachsen.

Cornelia Funke wurde 1958 in Dorsten geboren, wo sie zur Schule ging und mit ihrem Vater in der örtlichen Bücherei stapelweise Geschichten entlieh. Nach ihrem Abitur zog sie nach Hamburg. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Diplompädagogin und studierte Buchillustration. Durch ihre Arbeit als Illustratorin entdeckte sie das Geschichtenerzählen für sich. Die große Drachensuche (1988) war Funkes erster Roman, der gewissermaßen den Grundstein für den erfolgreicheren Drachenreiter (1997) legte. Zu ihren bekanntesten Büchern zählen weltweit vor allem der Herr der Diebe (2000), die Tintenwelt-Trilogie (2003-2007) sowie die aktuelle Reckless-Reihe, deren dritter Teil, Das goldene Garn, im vergangenen Februar erschienen ist. Mittlerweile liegt die Gesamtauflage ihrer Bücher bei über 20 Millionen Exemplaren, sie wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Heute lebt Cornelia Funke in Los Angeles, Kalifornien, umgeben von Büchern, DvDs und Drachen.

Zur Pressemitteilung des LWL

Offizielle Homepage von Cornelia Funke

[Überschrift: Funke, Cornelia: Tintenherz. Hamburg: Cecilie Dressler Verlag, 2003, S. 566.]

[Foto: (c) Dressler/Joerg Schwalfenberg]

Claudia Ehlert

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