Autoren, Was läuft?

Fragen an …

Sarah Meyer-Dietrich

… Sarah Meyer-Dietrich

Was brauchen Sie zum Schreiben?

Zum Schreiben brauche ich neben einem Laptop (ich schreibe wenn möglich immer gleich digital, handschriftlich mache ich mir nur noch Notizen für eine Geschichte) und wenigstens einem gewissen Maß an Zeit und Ruhe (mindestens eine Stunde am Stück) vor allem eine ausgereifte Idee. Oft trage ich erst einmal über Tage, Wochen, Monate hinweg die Idee zu einer bestimmten Figur oder einem bestimmten Ausgangspunkt für eine Geschichte mit mir herum, bis sie so weit ausgereift ist, dass ich anfangen kann, sie wirklich aufzuschreiben. Um diese Idee überhaupt zu entwickeln, brauche ich außerdem einen Anlass. Das kann ein Satz sein, den ich in der Bahn aufschnappe, ein Gefühl, das mich überfällt, oder auch einfach ein Wettbewerbsthema wie im Falle des 3. Ruhrgebiets-Literaturwettbewerbs „dicht“.

Wie sieht Ihr Schreiballtag aus? Was machen Sie neben dem Schreiben?

Einen Schreiballtag im eigentlichen Sinne habe ich nicht, weil mein Alltag vor allem durch meinen Hauptberuf geprägt ist. Das Schreiben selbst ist momentan also eher das, was ich neben dem Beruf mache. Und entsprechend sieht der Schreiballtag auch aus: eher dazwischen gequetscht. Ich schreibe zum Beispiel viel in Bus und Bahn auf dem Weg zu Terminen oder in die Geschäftsstelle. Ich schreibe im Urlaub, manchmal am Wochenende, eben immer irgendwo dazwischen. Deshalb ist mein Schreiballtag auch eher komprimiert. Die Idee wächst und gedeiht in meinem Kopf irgendwo nebenher und wenn ich mich dann irgendwann wirklich an den Laptop setze (meist nicht am Schreibtisch, sondern eben irgendwo), schreibe ich sehr konzentriert und in kurzer Zeit.

Mein beruflicher Alltag hat aber auch ganz viel mit Literatur zu tun. Als Geschäftsführerin des Friedrich-Bödecker-Kreises NRW kümmere ich mich um Literaturvermittlung für Kinder und Jugendliche durch Autorenbegegnungen. Dazu gehören neben Schullesungen, die wir vermitteln und durch Fördergelder des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport NRW bezuschussen vor allem auch Schreibwerkstattprojekte. So leite ich zum Beispiel die Projekte der Projektfamilie „FlussLandStadt. Eure Heimat – euer Roman“, in deren Rahmen Jugendliche Romane, Erzählungen, Theaterstücke schreiben und veröffentlichen.

Nebenbei bin ich in der Redaktion der Literaturzeitschrift Richtungsding tätig und engagiere mich in der literarischen Gesellschaft Bochum.

Ihr Lieblingsort?

Das kommt ganz drauf an. Grundsätzlich ist mein Lieblingsort einfach an der Seite der Menschen, die ich liebe: mein Freund, meine Familie, meine Freunde. Da halte ich mich leider oft viel zu selten auf, weil (siehe oben) Projekte und Nebenprojekte mich dauernd auf Trab halten. Oft ist mein Lieblingsort einfach unsere gemütliche Wohnung. Manchmal das Meer (im Urlaub). Und mein liebster Lebensraum ist auf jeden Fall das Ruhrgebiet (leider ohne Meer, aber an der Ruhr ist es auch schön im Sommer).

Ihre derzeitige Lektüre?

Zuletzt hatte ich im Urlaub endlich mal wieder richtig Zeit zum Lesen und habe mir auch eine ganze Reihe an Büchern mitgenommen, die ich schon ewig lesen wollte. „Faserland“ von Christian Kracht, „Kanak Sprak“ von Feridun Zaimoglu, „Keiner weiß mehr“ von Rolf Dieter Brinkmann, „Henry der Held“ von Roddy Doyle. Und nach dem Urlaub liegen jetzt vor allem wieder Texte aus Schreibwerkstattprojekten, die lektoriert werden müssen, auf meinem Tisch. Aber das ist auch eine schöne Lektüre.

Was schreiben Sie derzeit?

Ich habe einige Baustellen offen – einzelne Erzählungen, eine Romanidee –, an denen ich aber derzeit nicht konkret arbeite. Ich versuche auch wieder, mich an Wettbewerben zu beteiligen. Mit Erzählungen hat man außerhalb von Wettbewerben und Anthologien ja leider oft keine großen Veröffentlichungschancen. Und um mich mal wieder an einem ganz anderen Genre auszuprobieren steuere ich zwei Ruhrgebietsballaden zu einer Anthologie im Verlag Verlag Henselowsky Boschmann bei.

Welches Buch, welcher Autor, welche literarische Figur fasziniert Sie?

Da gibt und gab es im Laufe der Zeit so viele … Auf jeden Fall immer wieder aufs Neue faszinieren mich die Texte und Figuren von Ingeborg Bachmann, Yoko Tawada und Sibylle Berg. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Warum schreiben Sie?

Weil ich es liebe 😉

Sarah Meyer-Dietrich hat den ersten Platz beim 3. Ruhrgebiets-Literaturwettbewerb belegt. Ihr Text und eine weitere Auswahl der besten Texte des Wettbewerbs werden am dem 13. Mai 2015 auf der Ruhrpoeten-Lesetour von professionellen SprecherInnen, SchauspielerInnen und MusikerInnen gelesen und performt.

Termine:

  1. Mai 2015, 20Uhr – Consol-Theater, Gelsenkirchen
  2. Juni 2015, 16–22Uhr – Kulturpfadfest, Essen
  3. Juni 2015, 20Uhr – Sissikinkong, Dortmund
  4. Juni 2015, 17:45Uhr – Fahrt mit der Bogie-Bahn Gelsenkirchen, Haltestelle Musiktheater im Revier Richtung Bochum; um 19.45 Uhr 2. Fahrt von Bochum, Haltestelle Engelsburger Str. Richtung Höntrop (Bei dieser Veranstaltung empfiehlt es sich unbedingt Karten im Vorverkauf zu ergattern.)

weitere Termine stehen hier.

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