Lesungen, Was läuft?

Pop Art op Platt

L&J-Schürmann 14_Foto Dirk Bogdanski

Visuelle Poesie à la Heinrich Schürmann Part III. Nach einer gut besuchten Ausstellungser-öffnung im Gartenhaus im Oktober und einem eigenen Ak-
zent anlässlich der Rottendorf-Preisverleihung im November präsentierten Georg Bühren und Hannes Demming am 14. Januar im Torhaussaal eine Auswahl von Texten des 2008 verstorbenen Autors und bildenden Künstlers. Umrahmt war die Lesung von Jazz und Lyrik der Formation Cru Sauvage mit Christian Kappe (Trompete), Burkhard Jasper (Klavier) und Kai Brückner (Gitarre). Und wiederum war das Publikum berührt, ergriffen, begeistert. Bei der Lesung hätte man tatsächlich die berühmte Stecknadel fallen hören können. Es war ein gelungener, ein denkwürdiger Literaturabend.
Das Trio Cru Sauvage hatte bereits bei früheren Projekten des Museums mitgewirkt und stellte einmal mehr seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis. Seinerzeit standen Produktionen über die Sprachkünstler Peter Rühmkorf, Reinhard Döhl und August Stramm auf dem Programm. Ein Sprachkünstler war fraglos auch Heinrich Schürmann. Pop-Art op Platt – das gab es in dieser Form nicht, bis Schürmann es einfach mal versuchte, dann praktizierte und ja, man kann das sagen, perfektionierte – und dabei einen ganz eigenen Ton, eine eigene Farbe fand. Schürmanns Texte gehen vom Alltag, vom Alltagssprachlichen, von Redewendungen, vom Formel- und Floskelhaften aus. Dieses Normale, Vertraute wurde vom Autor weitergedacht, verfremdet und in andere Zusammenhänge gerückt. Dabei fand er zu verspielten, manchmal existenziellen und immer originellen Aussagen. Schürmanns Kunst ging nie im L’art pour l’art auf, sondern war human geerdet und immer dialogisch angelegt.
Der erwähnte Literaturabend wird noch nicht den Schlussakkord der Heinrich-Schürmann-Retrospektive bilden. Eine Live-CD mit einem Mitschnitt des Abends ist in Vorbereitung. Daneben wird es ein Bändchen in der Reihe „aufgeblättert. Schätze aus dem westfälischen Literaturarchiv“ geben. Eine solche Veröffentlichung ist ungemein wichtig. Sie gibt einen Überblick über den umfangreichen Nachlass des Autors, bringt wichtige Stimmen über dessen Werk zu Gehör und bietet im Anhang, auf einer DVD, einen vollständigen Überblick über dessen bildkünstlerisches Schaffen.
All diese Aktivitäten wurden maßgeblich von der Ennigerloher Rottendorf-Stiftung gefördert. Diese hat sich den Erhalt und die Förderung der niederdeutschen Literatur zur Aufgabe gemacht. Erfreulich, dass dabei die experimentelle Mundart besonderes Gehör findet.

Walter Gödden

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