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Schauplatz Museum

Literaturpreis Ruhr 2014

Jährlich wird der Literaturpreis Ruhr vom Regionalverband Ruhr (RVR) verliehen. Neben dem mit 10.000 Euro dotierten Hauptpreis, der an die Autorin Marianne Bretzel ging, wurden in diesem Jahr wieder zwei Förderpreise und erneut der Rotary-Förderpreis an den literarischen Nachwuchs vergeben (je 2.555 Euro). Ausgezeichnet wird „schön-
geistige[] Literatur im Ruhrgebiet
“, „über das Ruhrgebiet“ oder auch „literaturkritische[] und literaturwissenschaftliche[] oder verlegerische[] Arbeit im Ruhrgebiet“. Dem Förderpreis lag wieder ein Schreibaufruf zu Grunde, Thema „Schauplatz Museum“ – ein für das Ruhrgebiet mit seiner immensen Anzahl von großen und kleinen Kunst-, Industrie- und Spezialmuseen naheliegendes und treffendes Motivfeld. Unter den 141 Einsendungen konnten sich Frauke Angel, Merle Wolke und Sarah Meyer-Dietrich durchsetzen.

Frauke Angels Erzählung „Und samstags wird gebadet“, hinter deren nur vordergründig „unpersönliche[r] Erzählweise die Perspektive jener Frau mit der Ruhrgebietskindheit“ steckt, überzeugte die Jury nicht nur durch ihre „pulswarmen Sätze“. „Dieser eindringlich-zarte, zwischen leiser Melancholie und glasklarem Realismus pendelnder Ton, der die Geschichte durchzieht, die oft zärtliche Genauigkeit, mit der sie zugleich Zwischentöne im Miteinander von Menschen einfängt, ist hier vielleicht sogar noch wichtiger als das, was Germanisten mit dem Terminus ‚Fabel‘ benennen.“ Und wirklich schwingt der Text in dem Raum, der Familie sein kann und umschließt dabei ebenso gesellschaftliche, wie auch private Themen: Migration, die Frage nach der inneren Heimat, nach Geschichte und dem eigenen Altern und nach dem Glück. Dass dieses kleine Glück in einer Hand voll Eierkohlen liegen kann, zeigt Frauke Angel hier auf ganz zarte und leise Weise.

„Eintritt frei“ von Merle Wolke heftet sich wie ein kleines Roadmovie an die Fersen das ehemaligen Bergrennfahrers Zumpel – massiver Haustechniker für die sehr greifbaren und analogen Nöte größerer und kleinerer Museen – auf seinem Weg durchs östliche Ruhrgebiet. Die Kontrastierung dieses sehr bodenständigen Mannes mit dem zumindest in der Geschichte „blasierte[n], realitätsferne[n] Völkchen“ der Museumsdirektoren und Pressereferenten amüsiert. „Überhaupt ist die Charakterisierung mit wenigen Strichen, wenigen Gesten, wenigen Worten die große Stärke von Merle Wolke“.

Sarah Meyer-Dietrich liefert schließlich ein komplexes Textkonstrukt um die Metapher des „White Cube“ – ein Ausstellungskonzept, in dem Exponate im weißen Raum präsentiert werden – und dem Gemälde „Mädchen am Tisch“ von Max Pechstein. In der zumindest von den Frauen ungewollten Ménage-à-trois zwischen Charlotte, Katharina und Peter stellt sich die Frage, ob es wirklich der Museums-Raum ist, der gefüllt werden muss oder ob nicht vielmehr das Innere der Figur Charlotte den White Cube abgibt. Ähnlich wie auch das „Mädchen am Tisch“ eher den Maler anzublicken scheint und ihn somit zum eigentlichen Zentrum des Bildes macht, wohingegen es selbst lediglich Objekt der Selbstbespiegelung bleibt, verharrt auch Charlotte. Sprachlich zeichnet sich die Erzählung durch „kunstvoll verknappte[] Sätze[], zahlreiche[] sensible[] Charakterisierungen und präzise[] Dialoge[]“ aus.

 

Fragen an … Frauke Angel

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Was brauchen Sie zum Schreiben?

Stift und Zettel

Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?

Nach dem Kinder-Wegschaffen eine Stunde Wirtschaft machen. Ab 10.00 h mit Kaffee und Schnitten an den Schreibtisch. Schreiben bis um 14.30 h. Dann Kinder abholen und weiter wirtschaften. Wenn noch (erschöpfungsbedingte Abhängigkeit) Kapazitäten sind, abends nach 20.00 h (wenn die Kinder im Bett liegen) wieder an den Schreibtisch, bis maximal 24.00 h, weil um 6.00 h der Wecker wieder klingelt.


Was machen Sie neben dem Schreiben?

Zuhören

Ihre Lieblingsorte?

Küchen und Friedhöfe.

Ihre derzeitige Lektüre?

Arbeit und Struktur (Wolfgang Herrndorf), Himmelsvolk (Waldemar Bonsels)

Was schreiben Sie derzeit?

Drei Theaterstücke, zwei Bilderbücher, ein Kinderbuch und immer wieder Erzählungen

Welches Buch, welcher Autor, welche literarische Figur fasziniert Sie?

Ich war schon oft verliebt … In die Rote Zora, in Luzie, den Schrecken der Straße, in Anais Nin, in die Heilige Johanna der Schlachthöfe, in Siri Hustvedt, in Alice Munro, in Margaret Forster … und mit 16 auch in Erich Fried … und in so viele andere …

Warum schreiben Sie?

Aus der Not (Geld zu erwirtschaften) und aus Leidenschaft (um den wunderbaren Menschen die mir begegnet sind, ein Denkmal zu setzen).

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