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Rezension international II

afsprakenBereits Ende September (http://wp.me/p4EYft-Oc) gab unser HausBlog einen Einblick in die internationale Rezeption der zweisprachigen Publikation Verabredungen | Afspraken von Katharina Bauer, Thomas Kade, Ralf Thenior und Ellen Widmaier. Im Mai/Juni-Heft (38. Jg.) des Magazins POËZIEKRANT, „POETRY INTERNATIONAL“ Special (Gent/BE) wurde dem Band, der – parallel zur Veröffentlichung in der Reihe roterfadenlyrik Edition Haus Nottbeck – auch in den Niederlanden bei Literair Productiehuis Wintertuin, Nijmegen erschienen ist, Aufmerksamkeit geschenkt. Es folgt ein weiterer Auszug in Übersetzung.

Die Widerhaken des Alltäglichen

von Erik de Smedt:

[…]

Viel Positives gibt es zu sagen über Thomas Kade (1955), Pädagoge, Buchhändler und Autor mehrerer Gedichtbände, zuletzt „Körper Flüchtigkeiten“. Er schreibt freie, lange, vieles erzählende Gedichte, die infolge schneller Gedankensprünge dicht zusammenhängen und eine starke Getriebenheit vermitteln. Anlass ist häufig die Liebe, die immer wieder eingebettet wird in eine ganz und gar nicht idyllische Landschaft: der auf einen breiten dicken Brückenpfeiler geflatschte Slogan „LOVE U“, ein müder Mann an einer Tankstelle „große Liebe kleiner geworden auf Lebensgröße und grau das Glück wie verloren wartet im Hintergrund die Kassiererin“.

Eine schöne intime Filmszene in Worten ist „Momentum intimissimum“, in der das Entzücken, die Geliebte am Waschbecken zu betrachten, verbunden wird mit einem profanen Handtuch auf dem Hotelboden. Kade und seine Übersetzerin beherrschen die Kunst des prägnanten Sprechens in einem wogenden Rhythmus. Dass der Dichter viele Formen beherrscht, beweist das wunderbare „Verboten baden“, ein Gedicht mit langen Zeilen, das sich in einen breiten Strom ohne Interpunktion ausweitet, über ein sie und ein er, die ein ich und ein sie (Plural) werden in äußerster erotischer Verführung:

„schwellend meine Zunge flüstert zwischen deinen Lippen
fließend Kitzel ja wir lassen uns ins Wasser langsam gleiten treiben
rein durchspielen nochmal alle Hügel Täler faltig weichen
Teile ja mach flüchtig mischen sich Feuchtigkeiten ist es Fieber
Lust Wasser aus dem Becken ach der Sommer schwimmt mit uns
hinaus ins Flachere lauwarm gewellt die Leiber nach dem Lieben“

(aus dem Niederländischen)

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