1914, Was läuft?

Lerchen! Schüsse! Granaten!

Blick in die Ausstellung (2)

 

August Stramm

Brief an seine Frau Else Krafft

 

21. 3. 15

Frühlingsanfang! Sonntag! Sonne! Lerchen! Schüsse! Granaten! Flieger! Lehm! Halme! Gluten! Kühle! Man findet nicht mehr recht aus und ein! Lieb! Es ist eine seltsame Zeit. Schau ich übers Feld, so sehe ich grünen, wachsen, Hasen hupfen, Rebhühner streichen, Zwitschern, Singen, Jubilieren! Und dann pfeifen mir die Geschosse um die Ohren, daß ich mich gleich wieder in den Lehm drücke. Ach, Schatz! Gestern haben wir drei Rebhühner geschossen vor unser Front und bei Nacht geholt und jetzt pruzzeln sie schon im Kochgeschirr! Als Sonntagsbraten! Dazu dein Gebäck! Das gibt ein Mahl! Dazu ein Apfel, ein Schnaps und Kaffee! Du siehst, wir leben hier nicht schlecht. Die Franzosen haben diese Nacht wieder 21 Pfünder probiert! Aber nicht viel Schaden angerichtet. Wir haben ihnen dafür heute Nacht einen Wagen direkt aus ihrer Stellung gestohlen! Eine Frechheit sonder gleichen! Meine Kerls gehen ran wie Feuer! […] Dös is halt der Krieg! Prost, Schatz! Ich trinke einen Schnaps! Rum, Kognak, Portwein, Kaffeesatz, alles in einer Flasche! Aber es schmeckt doch! Als Sonntagsbowle!

Viele liebe herzliche Grüße

Euer Papa

Sterne baden den Weltraum. Foto Jörg Kersten

Diesen Freitag: Sterne baden den Weltraum. August-Stramm-Theaterabend bei uns

2014 wäre der in Münster geborene Dichter August Stramm, der  seine Fronterfahrung auf künstlerisch innovative Weise verarbeitete, 140 Jahre alt geworden. Grund genug für Regisseur Alban Renz und sein Schauspielduo Carsten Bender und Sarah Giese, dem Dichter, dessen lyrisches Werk oft nur in Schulbüchern auftaucht, auch auf der Bühne Raum zu geben. Im Zentrum steht das noch nie gespielte frühexpressionistische Drama Geschehen.

 

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