1914

ich schleudere meine Kräfte

Blick in die Ausstellung (13)

 

 

August Stramm

Brief an seine Frau Else Krafft

 

5. 3. 15

Nacht um mich! Ich sitze in einer Erdhöhle, kauere! Genannt Unterstand! Draußen klatschen die Kugeln und schleichen meine Patrouillen! Ich habe sie ermahnt: bringt mir einen tot oder lebendig! Ich muß auskundschaften, was für Truppen vor uns liegen! tot oder lebendig! Graut dir nicht vor meiner Rohheit? Ist das nicht Mord oder nackte Anstiftung dazu? Und doch! Lieb du! Muß es nicht sein? Jetzt in dieser Situation! Ich kann nicht fragen, warum, wozu! Ich will nicht fragen nach dem höchsten Hohen, das mir vorschwebt als Menschenideal, als Schöpfungswille! ich tu es nicht! ich will es nicht! Ich morde kalt und stifte an kalt, hart, roh! Mein Vaterland?! Der Begriff ist mir zu eng, würde nicht mich vor mir selbst entschuldigen! Nein! ich morde, damit der Mord ein Ende nimmt. Ich morde und stifte an, damit das Anstiften keine Macht mehr hat, behält. Ich bin tapfer, ein Draufgänger, so hört ich hier schon! Nicht um des Draufgehns willen, nicht aus Rohheit und Lust zur Rohheit! Nein! Aus Wut, aus Haß gegen das unbeschreiblich rohe! unbegreiflich menschenunwürdig Rohe! […]

9. Mai: Sterne baden den Weltraum. August-Stramm-Theaterabend bei uns

2014 wäre der in Münster geborene Dichter August Stramm, der  seine Fronterfahrung auf künstlerisch innovative Weise verarbeitete, 140 Jahre alt geworden. Grund genug für Regisseur Alban Renz und sein Schauspielduo Carsten Bender und Sarah Giese, dem Dichter, dessen lyrisches Werk oft nur in Schulbüchern auftaucht, auch auf der Bühne Raum zu geben. Im Zentrum steht das noch nie gespielte frühexpressionistische Drama „Geschehen“.

Diskussion

Hinterlassen Sie einen Kommentar oder setzen Sie einen Trackback.

Kommentare abonnieren.

Bitte fair bleiben. Wir behalten uns vor, gegebenenfalls Kommentare zu löschen.

Sie können diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*Notwendige Angaben