1914

Die Hölle von Verdun

Blick in die Ausstellung (20)

Paul Zech

Brief an Stefan Zweig

Nordfrankreich, den 12/7 1916

Mein lieber Freund,

ich hatte nie geglaubt, daß die Hölle von Verdun noch zu überbieten gewesen wäre. Ich litt dort furchtbar. Nun es vorbei ist, darf es ausgesprochen werden. Aber nicht genug: nun sind wir an die Somme verschickt worden. Und hier ist alles gesteigert: Haß, Entmenschlichung, Grauen und Blut.

Noch ein paar Tage weiter, und ich bin zuende mit meiner Kraft. Die Probe ist bestanden in den Wochen des März, Mai und Juni. Aber jetzt ist doch alles auf die abwärtssinkende Linie gestellt. Der ehrliche Kampf und das gespannte Halten, das Hoffen und der Glauben. Ist überhaupt noch Gott? Ja –: ich war verschüttet; 30 Kameraden erschlug der Granatenhagel im selben Dorfquartier: ich blieb leben. Lebe noch. Und der Tod ist doch hier nahe wie die Luft die man atmet. Gott lebt. Gott ist um und über uns. Das kann mich noch halten. Gibt mir den Trost, daß jetzt bald das Ende ist. Oder wir sind alle nicht mehr Mensch, nicht Brüder Abels, sondern die Schuld aller Schuld.

Ich weiß nicht mehr wie es noch werden kann mit uns, ich wollte Sie nur noch einmal grüßen. Vielleicht ist es der letzte.

Herzlich beide Hände
Ihr Paul Zech

 

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