1914

Wir waren jung und sind …

Blick in die Ausstellung (19)

 

 

Paul Zech

Genug … Genug!

Belaubung sproßt … der Wald gilbt alt,
aus blauem Licht wird weißes Wehn.
Wir waren jung und sind schon kalt
im rasenden Vorüberdrehn
der Jahre zwischen Krieg und Krieg.
Wir haben kein Einander mehr,
der Alb, der unsern Schlaf bestieg,
fraß unsere Seele mitleidleer,
der Tag, der uns zusammenjagt,
saugt Kraft aus unserem Verfall,
des Todes schwarze Fahne tagt
als Sonne in dem grauverschwommenen All.
… und darum starbst Du, Jude Christ,
für uns das schreckliche Gericht,
das noch in dem Kadaver ruchbar ist
auf Feldern, wo Dein Reich zerbricht?
Und darum starbst Du, Sohn Maries,
den großen Muttertrost,
daß, wie um Stirnen wilden Viehs,
grausames Morden weitertost?
… Herab vom Kreuz, entäußere Dich!
Sei wieder Mensch zu Mensch und tief
nothaft geweintes Ich zu Ich,
arm Haupt, das schwer auf Steinen schlief!
Noch in den Gräben sei mit uns,
zum Morden nicht, sei unser Fliehn
zum Nachtgestirn, sei unseres Munds
heilige Einfalt, wenn wir knien:
daß der, im andern Graben vorn,
erkennt, wie wir verbrüdert sind,
erkennt, daß nur ein armes Korn
in uns gesät, anschwillt zum Wind,
anschwillt zur Flut, zur höchsten Glut;
Wind, Flut und Glut: ja diese drei
durch Dein, durch unser aller Blut
aufdonnern: Du, Genug! Genug! Genug!

 

 

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