1914, Museum

Eine Passion wider den Krieg

Blick in die Ausstellung (18)

Welche literarische Bedeutung kommt Paul Zech (1881–1946) zu?

Paul Zechs literarisches Werk ist nur schwer greifbar. Bekannt wurde Zech vor allem durch seine Nachdichtungen aus dem Französischen von Werken Rimbauds und Villons. Viele kennen Kinskis Ich bin verrückt nach deinem Erdbeermund – das ist eine Nachdichtung Zechs. Daneben wird er als expressionistischer Arbeiterlyriker rezipiert. Aber auch das ist nur eine von vielen Facetten. Im Grunde ist Zechs Werk uferlos. Es besteht aus 30 Gedichtbänden und rund ebenso vielen Dramen und Erzählwerken… Wie groß sein literarischer Einfluss zu Lebzeiten war, zeigt sich allein daran, dass Zech mit 12 Gedichten in der epochalen Anthologie Menschheitsdämmerung aus dem Jahre 1919 vertreten ist, dem Standardwerk des literarischen Expressionismus. Im Gegensatz zu Stramm und Sack ist Zech ein Verfechter traditioneller Reim- und Strophenformen voll suggestiver Sprachkraft und magischen Bildwelten.

Welche Bedeutung spielt Zech heute?

Zech ist heute weitgehend vergessen. Aber auch nicht ganz vergessen. Um die Jahrtausendwende erschien eine sehr verdiente neue Gesamtausgabe seiner Werke, vor einigen Jahren gab es eine große Ausstellung. Ein Problem ist sicherlich die Uferlosigkeit seines Werks und auch, dass er Vieles unfertig veröffentlichte, Bedeutsames neben weniger Gelungenem steht.

Wie stand Zech zum Ersten Weltkrieg?

Zechs Biografie zeigt prototypisch, wie sich anfängliche Kriegsbegeisterung in eine pazifische Haltung umkehrte. 1914 hatte auch Zech patriotische Gedichte verfasst und sich freiwillig zum Militär gemeldet. 1915 war er an der Ost- und später an der Westfront stationiert. Auch dort verfasste er noch 1916 weitere Propagandatexte. 1917 ließ er eine noch teilweise patriotische Gedichtsammlung Helden und Heilige folgen. Dann erfolgte der Umschwung mit dem kriegskritischen Bändchen Vor Cressy an der Marne. Gedichte eines Frontsoldaten. Sie erschienen allerdings als Privatdruck und unter Pseudonym. 1919 kamen dann seine während des Kriegs entstandenen, zunehmend pazifistischen Tagebuchaufzeichnungen heraus: Das Grab der Welt. Eine Passion wider den Krieg.

Welche militärische Rolle spielte er im Krieg?

Er war zunächst Schreibtischsoldat und kurz darauf wieder entlassen. 1915 wurde er offenbar neu gemustert und kam an die Front, erst an die Ost-, dann an die Westfront. Hier erlitt er im Sommer 1916 schwere Verletzungen bei einer Verschüttung im Schützengraben, wofür er mit dem Eisernen Kreuz entschädigt wurde. Ab 1917 tat Zech wieder Dienst als Soldat, aber dank einer Empfehlung nur hinter der Front, diesmal bei der Obersten Heeresführung in Frankreich.

Wie setzt er sich literarisch mit dem Krieg auseinander?

Zech schrieb vor allem formstrenge Gedichte, in denen auch – anders als bei Stramm und Sack –pathetische Töne vorkommen. Seine Lyrik ist insgesamt konventioneller und fragt – fast altertümlich – nach dem Lebenssinn. Zechs Hauptthema ist die tragische Existenz des Menschen. Die Kulissen hierfür fand er in der Arbeitswelt, in sozialen Gegensätzen und eben auch im Krieg.

Ein Interview mit Walter Gödden im Rahmen der aktuellen Ausstellung. Die Fragen stellte Thomas Frank (WDR 3).
Die Ausstellung „1914: text und krieg – krieg und text“ läuft noch bis Mitte Mai.

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