Autor*innen, Interview

Gegenteil von Flüchtigkeit

Christoph Wenzel

„Muster, Schablonen, eingefrorene Metaphern und Bilder bewusst aufbrechen“
Christoph Wenzel, Lyriker

 

„Ich habe mal in einem kleinen Essay den Lyriker mit einem Allergiker verglichen. (…) Irgendetwas, sei es eine Nachrichtenmeldung, sei es ein verquerer Satz in der Zeitung, in dem ein Druckfehler steht, oder eine völlig unscheinbare Kleinigkeit, ist dann so ein Partikel, ein Allergen sozusagen, das eine allergische Reaktion hervorruft, die dann ins Schreiben mündet. Das Schreiben ist dann dabei so eine Art Symptom-Bekämpfung, würde ich sagen, weil sich so was nur symptomatisch behandeln lässt und nicht ursächlich.“

„Das Gedicht ist ja, trotz seiner Kürze und Prägnanz, das Gegenteil von Flüchtigkeit. Es ist im besten Falle nachhaltig, differenziert, bildhaft, kritisch und gleichzeitig eben doch auf den Punkt und in einer kurzen Zeitspanne rezipierbar. Das heißt, es kann in einer kurzen Zeitspanne eine Wirkung entfalten, also eine sinnliche Wirkung zunächst. Wenn man sich damit im Nachgang noch intellektuell mit auseinandersetzt, umso besser.“

„Ja, der Ausgang ist häufig eine subjektive Erinnerung, aber ich müsste die nicht in Literatur umsetzen, wenn ich nicht davon ausginge, dass das, sagen wir mal, eine kollektive Relevanz hat. Ein Stück weit zumindest.“

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Christoph Wenzel, 1979 in Hamm geboren und aufgewachsen, lebt und arbeitet nach Studium der Germanistik und Anglistik in Aachen und ist gemeinsam mit Daniel Ketteler Verleger des [SIC]-Literaturverlags und Herausgeber der Literaturzeitschrift [SIC]. 2005 erschien der Lyrikband zeit aus der karte (Rimbaud Verlag), 2010 tagebrüche (yedermann Verlag), 2012 weg vom fenster – in der Reihe roterfadenlyrik, Edition Haus Nottbeck. Gemeinsam mit Adrian Kasnitz ist er Herausgeber einer empfehlenswerten Anthologie zeitgenössischer Lyrik. Das vollständige Interview findet sich hier.

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