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Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium 2013

Christoph Wenzel ist Preisträger des diesjährigen Stipendiums, das im Namen des von 1962-1975 in Köln lebenden Lyrikers, Schriftstellers und Herausgebers Rolf Dieter Brinkmann seit 1990 von der Stadt Köln vergeben wird. Das mit 10.000 € dotierte Stipendium haben neben bekannten Autoren wie Thomas Kling und Marcel Beyer auch die noch vor wenigen Wochen in Nottbeck beim „Laut und Luise“-Lyrikfestival präsentierten Schriftsteller Adrian Kasnitz (2005) und Julia Trompeter (2012) erhalten. Bewerben können sich Autoren und Autorinnen, die in NRW wohnen und das 35. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Wir gratulieren Christoph Wenzel, der neben Auszügen aus jüngsten Publikationen auch aktuelle Arbeitsmanuskripte eingereicht hatte, herzlich. Seine Gedichte erkunden sehr präzise die prägende Physiognomie des Ruhrgebiets, erforschen die Mentalitäts- und Sprachgeschichte(n), kartographieren und memorieren in Schnappschüssen, Annäherungen und Collagen die Jahrzehnte des Bergbaus, des Strukturwandels und die postindustriellen Landschaften. Zurzeit beschäftigt sich Christoph Wenzel mit den Geisterdörfern und den verschwundenen Ortschaften im rheinischen Braunkohlerevier. Man darf auf die Publikation neuer Texte gespannt sein…

 

In der Begründung der Kölner Jury zur Preisvergabe heißt es u.a.:

Christoph Wenzel, Aachener Lyriker und Literaturwissenschaftler mit westfälischen Wurzeln, hat seine Gedichte über Jahre hinweg beharrlich und konsequent weiterentwickelt. Sein Formbewusstsein hat sich besonders in jüngster Vergangenheit deutlich gestärkt, dies gepaart mit einer gewachsenen Souveränität im Umgang mit dem lyrischen Bild.

Wenzels Gedichte handeln vom ganz Alltäglichen und sie befleißigen sich dabei einer einfachen, verständlichen, nicht aber schlichten Sprache. Er scheut sich dabei nicht, „Heimatlyrik“ in einem guten und ganz neuen Sinne zu schreiben.

Eine „Heimatlyrik“, die sich – natürlich bar jeglicher Tümelei – in buchstäblich bodenständiger Weise mit dem westfälischen Erinnerungsraum, dem Wenzel entstammt, befasst. Er scheut sich nicht einmal, über den „Boden“, also die westfälische „Erde“ zu schreiben, und siehe da, es gelingt, ohne dass auch nur im Keim Missverständliches aufscheinen würde. Denn sein Westfalen besteht nicht aus Mythen und metaphorisch Aufgeladenem, sondern aus dem unmittelbar Gegebenen: realistisch nachempfundenen Kindheitsszenerien, Kleinbürgersiedlungen, Nutzfeldern und nicht zuletzt echten Menschen, knurrig, aber rechtschaffen. Ihre Redensarten und Sprechweisen dringen ein ins Gedicht, impfen die Gedichte gewissermaßen mit einem Authen- tizitätsserum und weisen ihnen so aufgrund des offenkundigen Montage-Charakters, ohne sich dem Verständnis künstlich zu verschließen, eine mehrschichtige Tektonik zu.

 

Wer war Rolf Dieter Brinkmann? Thomas Ernst hat es als Basiswissen kundig und pointiert zusammengefasst.

Wer ist Christoph Wenzel? 1979 in Hamm geboren und aufgewachsen, lebt und arbeitet nach Studium der Germanistik und Anglistik in Aachen und ist gemeinsam mit Daniel Ketteler Verleger des [SIC]-Literaturverlags und Herausgeber der Literaturzeitschrift [SIC]. 2005 erschien der Lyrikband zeit aus der karte (Rimbaud Verlag), 2010 tagebrüche (yedermann Verlag), 2012 weg vom fenster – in der Reihe roterfadenlyrik, Edition Haus Nottbeck.

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