Interview, Medien

Du sollst nicht langweilig sein

Karr & Wehner (v.l.n.r.), als Autorenduo aus dem Ruhr- gebiet mit ihren „Gonzo“- Thrillern bekannt geworden, erhielten 1996 den Friedrich-Glauser-Preis für den besten Krimi des Jahres und 2000 den Literaturpreis Ruhrgebiet. Nottbeck verließen sie als Gewinner des Westfälischen Kurzhörspiel-Awards. Mit Arnold Maxwill sprachen sie über die allerwichtigste Krimiregel und ihren Ehrgeiz beim Schreiben.

Herzlichen Glückwunsch, Sie beide haben als das langbewährte Autorenduo Karr & Wehner mit Ihrem Text „Das Robinson-Dilemma“, einem trickreichen Kurzkrimi, der wohl als Hommage an Daniel Defoe, den Erfinder des Robinson Crusoe, gelten kann, beim Westfälischen Kurzhörspiel-Award „Shortcuts“ auf dem Kulturgut Haus Nottbeck vom Publikum einen der ersten drei Preise zugesprochen bekommen! Zudem wurde Stefanie Heim, Bauhaus-Universität Weimar, für die Inszenierung Ihres Textes der Regiepreis zugesprochen. Ein gutes Gefühl?

Karr: Ein tolles Gefühl, gerade auch wegen der wirklich starken Konkurrenz, gegen die wir antreten durften

Wehner: Und besonders wegen der Doppelauszeichnung – ein ganz dickes Dankeschön an die Regisseurin!

Seit vielen Jahren verfassen Sie gemeinsam Erzählungen, Krimis und Hörspiele, sind auch schon öfter mit Preisen bedacht worden. Trotz oder gerade aufgrund Ihrer naturgemäß verschiedenen Biografien will ich fragen: Wie sind Sie zum Schreiben, zum Hörspiel gekommen?

Karr & Wehner: Gleich zu Beginn unser Zusammenarbeit hatten wir ein Hörspiel über eine Taxifahrerin im Ruhrgebiet geschrieben, durch das Frank Hübner vom WDR auf uns aufmerksam wurde und uns für seine beiden großen Hörspiel-Serien „Blackbox B1“ und „Jezz abba feste“ einlud. So kam eins zum anderen.

Was ist für Sie der Anlass zu schreiben? Was reizt Sie am Kurzhörspiel?

Karr: Mich reizt es, eine Idee auf den Punkt zu bringen.

Wehner: Und mir lässt die Aufgabe so lange keine Ruhe, bis ich denke, ich habe eine literarische Konstruktion gefunden.

Was macht für Sie ein gelungenes Kurzhörspiel bzw. einen guten Krimi aus?

Karr & Wehner. Es muss spannend und gut erzählt sein. Es gilt immer die Regel Nummer 1 aus dem Kriminalgenre: Du sollst nicht langweilig sein!

Robinson Crusoe, die Robinsonade – das ist bei Ihnen kein zufällig gewähltes Thema. Herr Wehner, erklären Sie bitte kurz Ihr Interesse für dieses literarisches Motiv, das ja bis heute kaum etwas von seinem utopischen Reiz verloren hat.

Wehner: Die Robinsonade hat unendlich viele Möglichkeiten, was Ort, Zeit und Figuren betrifft. Ob Staatsutopie, Weltraumoper, Psychodrama, ob zwei Männer und eine Frau, hundert Frauen und ein Mann, ein Boot voller Kinder oder der Schiffbruch der Arche Noah – an der hat sich übrigens noch keiner versucht, das müssten wir eigentlich mal …

War es für Sie schwierig, sich auf eine DIN A4-Seite beschränken zu müssen?

Karr & Wehner: Nicht wirklich. Wenn es eine Vorgabe gibt, kann man seinen Stoff gleich so konzentrieren, dass man nicht länger wird.

Auch wenn Sie sicherlich schon oft genötigt wurden, darauf zu antworten: Wie hat man sich die Zusammenarbeit zwischen Ihnen konkret vorzustellen? Was sind die Freuden und Leiden?

Karr & Wehner: Die Zusammenarbeit besteht zu 90 Prozent aus reden: darüber reden, welche Geschichten interessant sind, darüber reden, wie man eine Geschichte aufbaut, wie man sie erzählt, wie es funktionieren könnte und wie nicht. Dann, wenn alles halbwegs feststeht, beginnt einer zu schreiben und mailt es dem Kollegen. Der korrigiert, ergänzt, streicht, macht alles anders und schreibt weiter. Beim Schreiben hat also jeder jederzeit Zugriff auf den gesamten Text, und so geht es hin und her, bis der Text fertig ist. Am Ende steht dann die Schlussredaktion, bei der wir den Text laut lesen; wie bei einer Lesung. Das ist die Nagelprobe, bei der langweilige Stellen, Wiederholungen und schlechte Formulierungen sofort auffallen – und bereinigt werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

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