Allgemein, Autor*innen, Interview, Kreativität in der Krise

„Nichts, wirklich nichts, kann den direkten Kontakt zu meinen Leser*innen ersetzen“

Heute interviewen wir Renate Behr für unsere Reihe „Kreativität in der Krise“.


Bevor wir auf die eigentliche Thematik zu sprechen kommen, ein paar Fragen zum Einstieg. Auf Ihrer Homepage steht als Banner folgender Spruch geschrieben: „Ein spannendes Buch ist Urlaub vom Alltag“. Wie definieren Sie ein spannendes Buch und welches lesen Sie selbst aktuell?

Ein Buch ist für mich persönlich spannend, wenn der/die Autor*in es schafft, Bilder in meinem Kopf zu erzeugen. Dann lese ich nicht nur, sondern erlebe die Story mit. Zurzeit lese ich „Messepartner“ aus der Mainhattan-Krimi-Reihe von Dietmar Cuntz.
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Allgemein, Autor*innen, Kreativität in der Krise

„Ohne Literatur, Musik, Schauspiel oder bildende Künste fehlen Räume, in denen Menschen auftanken können.“

Heute interviewen wir Christiane Dieckerhoff für unsere Reihe „Kreativität in der Krise“.

Foto: Ilona Voss

Zu Anfang eine Frage der Präferenz: Sie haben vor Kurzem auf Ihrer Facebook-Seite einen Beitrag geteilt, der zeigt, dass Sie Ihre Texte handschriftlich vorschreiben. Hilft Ihnen das im Schreibprozess? Was halten Sie für Ihr kreatives Schaffen ertragreicher, handschriftliches Schreiben oder das Tippen am Laptop? Und warum sehen Sie das so?

Eigentlich schreibe ich alles bis auf Kurzgeschichten am Computer. Meine Schrift tendiert dazu, mit jeder Seite unleserlicher zu werden. Außerdem bin ich ein Kreuz- und Querschreiber. Während des Tippens passiert etwas zwischen meinem Gehirn und meinen Fingern, was ich nicht wirklich verstehe. Oft weiß ich nicht, was ich gedacht habe, bis ich es geschrieben vor mir sehe.

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Autor*innen, Interview, Kreativität in der Krise

„Gerade in Zeiten, in denen wir so sehr auf uns zurückgeworfen sind, in denen Kontakte nur eingeschränkt möglich sind, in denen für manch einen das eigene Zuhause zum Gefängnis wird, ist Kunst wichtig.“

Heute interviewen wir Sarah Meyer-Dietrich für unsere Reihe „Kreativität in der Krise“.

Foto: Frank Vinken

„Auch wenn Corona uns allen einiges an Distanz abverlangt: Wir lassen uns nicht bremsen.“ Dieses motivierende Zitat lässt sich in einem Post auf Ihrer Facebook-Seite in Bezug auf einen Schreibworkshop finden. Würden Sie sich als positiven Menschen bezeichnen, für den die Corona-Pandemie keine berufliche und privat unlösbare Herausforderung ist?

Definitiv bin ich Optimistin. Manchmal irrt mein Optimismus allerdings. Als Anfang des Jahres die ersten Corona-Meldungen kamen und mein Mann einen Notvorrat in der Speisekammer anlegte, habe ich das noch für völlig übertrieben gehalten. Wenig später war ich froh über den Vorrat, auch wenn wir ihn letztlich doch nicht gebraucht haben, da wir nicht in Quarantäne mussten. Aber grundsätzlich bin ich immer erst einmal der Ansicht, dass wir die Dinge schon irgendwie hinkriegen werden – zur Not mit einem Plan B oder C oder D.
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Autor*innen, Interview, Kreativität in der Krise

„Sind halt miese Zeiten für Menschen, die eigentlich von der Bühne leben.“

Heute interviewen wir Andy Strauß für unsere Reihe „Kreativität in der Krise“.

Zum Einstieg einige Fragen zu Ihrer Person. In Ihrer Facebook-Info haben Sie folgendes über sich selbst geschrieben: „Schriftsteller und Kram. Wirrsch. Halb Mensch, halb Pony. Endlich Nichtraucher.“ Wie definieren Sie das „und Kram?“. Und warum ausgerechnet „halb Pony“?

Oha, ja, dieses Facebook… Ich glaube, dass die Informationen dort so veraltet sind wie die Plattform selbst. Auch wenn ich den »endlich Nichtraucher«-Passus erst jüngst hinzugefügt habe. Früher stand dort Raucher. Da ich aber seit 27 Tagen nicht mehr rauche war es mir wichtig, das zu kommunizieren. Vorbildfunktion und so. Die anderen Sätze aus der Facebook-Infospalte sind mindestens 6 Jahre alt. Seit dem war ich für 1,5 Jahre festangestellt als Frühstücksfernsehenmoderator im Internet, habe als Technojesus Ravemessen auf diversen Festivals veranstaltet, bin als Poetry Slammer aufgetreten, habe obskure Kulturbusfahrten moderiert und dies und das gemacht. Kram eben. Das definiere ich gar nicht, das definiert sich immer neu, aber es ist meist irgendwas, bei dem einem eine pfiffige Nutzung von Sprache zu gute kommt. Und das mit dem »Halb Pony« ist wohl meiner damaligen Frisur geschuldet. Im »echten Leben« habe ich eine Pferdehaar-Allergie und bin vermutlich weder Pony noch anderes Reittier.

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Interview, Kreativität in der Krise

„Schwimme nicht gegen den Strom, sondern steige aus dem Fluss.“

Heute interviewen wir Oliver Uschmann für unsere Reihe „Kreativität in der Krise“.

Oliver Uschmann auf dem Kulturgut Haus Nottbeck. (c) Sylvia Witt

Herr Uschmann, bei der Recherche über Sie stößt man immer wieder auf Franz Kafka – in Interviews, in Ihrer Magisterarbeit, Sie haben ihn auch schon als Idol Ihrer Jugend bezeichnet und als Lieblingsautor. Die aktuelle Situation mutet ja durchaus kafkaesk an, noch gruseliger war es während des sogenannten Lockdowns. Doch Kafka hatte, wie Sie selbst immer wieder betonen, durchaus eine komische Ader. Hilft sein Humor in der Krise?

Definitiv. Guter, absurder Humor kann alles „zur Kenntlichkeit entstellen“ und zugleich dagegen immunisieren, sich irgendeiner geschlossenen Erzählung anzuschließen. Unser Romanheld Hartmut hat dem das Motto gegeben: „Schwimme nicht gegen den Strom, sondern steige aus dem Fluss.“ Das ist die Essenz nicht des kafkaesken, sondern des hartmutesken Denkens. Meine Frau Sylvia Witt und ich sind ja die Schöpfer der sogenannten „Hui-Welt“, die man einst auf dem Kulturgut Haus Nottbeck bewohnen und mit allen Sinnen erleben konnte: „Ab ins Buch!“ feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Jubiläum! Hätte uns damals jemand bei einem sanft aufziehenden Wärmegewitter unter den Pflaumenbäumen vor dem Gartenhaus gesagt, wie der Sommer 2020 sich gestaltet – uns hätte ein kafkaesker Schauer durchzogen. Mitten im Lockdown haben wir übrigens mit „Lost Levels“ den siebten „Hartmut und ich“-Roman herausgebracht, als erste Publikation in unserem eigenen Verlag Edition Hombrede. Das Buch hat einige Fans mit kathartischem Lachen durch den Sommer gebracht und entlastet sehr von den derzeitigen Sorgen, da es sich mit einer Erzählzeit von 1995 bis 2005 als Fundament unter die ersten Werke schiebt und feine Nostalgie ermöglicht. Weiterlesen…

Interview, Kreativität in der Krise

Der Kuchen ist ungerecht verteilt

Für unsere Reihe „Kreativität in der Krise“ interviewen wir Thorsten Nagelschmidt:

Vorweg eine Frage ohne Literaturbezug: Kurz vor dem sogenannten Lockdown waren Sie mehrere Wochen in Chile und dokumentierten die dortigen Proteste u. a. auf Ihrem Facebook-Account. Wie wichtig ist das Recht auf Demonstrationsfreiheit im Vergleich zum Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus?

Ich war bis zum 10. März 2020 in Chile, das Coronavirus war zu dem Zeitpunkt noch nicht das beherrschende Thema dort und es gab keinen Lockdown. Die Demonstrationsfreiheit ist natürlich elementar wichtig in einer Demokratie, zumal es ja auch in Coronazeiten grundsätzlich möglich ist, ohne die Gefahr von Ansteckungen zu demonstrieren. Bei den Aufständen in Chile geht es auch nicht nur um Demos im herkömmlichen Sinne, sondern um ganz unterschiedliche Protestformen wie Streiks, Nachbarschaftskomitees, Landbesetzungen und ziviler Ungehorsam. Die großen gesundheitlichen Probleme ergeben sich in einem so marktradikalen System wie dem chilenischen auch nicht unbebdingt oder zumindest nicht nur aus der Zusammenkunft vieler Menschen bei Protesten, sondern vor allem aus den katastrophalen Wohn- und Arbeitsbedingungen eines großen Teils der Bevölkerung, sowie einem völlig maroden und in weiten Teilen privatisierten Gesundheitssystem, zu dem viele Chilenen auch schon vor Covid-19 keinen oder nur eingeschränkten Zugang hatten.

Hier übrigens die Reportage von Julia Krummhauer und mir.

Die Nachrichten aus der Literaturbranche sind zurzeit wenig hoffnungsvoll. Lesungen und Workshops werden abgesagt, ganz zu schweigen von den großen Buchmessen, und die sogenannten Soforthilfen von Bund und Ländern liefen zunächst nur träge an. Wie geht es Ihnen beruflich mit der aktuellen (Corona-)Situation? Gibt es eine Veränderung seit den ersten Monaten der Krise, dem „Lockdown“? Haben Sie die unterschiedlichen Unterstützungsprogramme (Fonds, Darlehen, Kredite…) wahrgenommen? Wie beurteilen Sie diese?

Ich habe die 5000,- vom Land Berlin erhalten und war zunächst positiv überrascht von dieser schnellen und unkomplizierten Maßnahme. Auch wenn sie bei einem Fortdauern der Krise wohl zum berühmten Tropfen auf dem heißen Stein werden wird. Weiterlesen…

Interview, Kreativität in der Krise

Zur Not ein Wellensittich

Heute setzen wir unsere Interviewreihe „Kreativität in der Krise“ fort. Unser Interviewpartner diesmal ist Martin Becker.

„Martin Becker. Macht Radio. Schreibt Bücher. Mag Hunde.“, so begrüßt Ihre Homepage die Leserinnen und Leser. In Ihrer Vita – mit Hundebild – steht auch etwas über Ihre Vorliebe für Geflügel- und Kaninchenausstellungen. Erst kürzlich haben Sie sich Wellensittiche zugelegt, deren Umgang mit dem Ausnahmezustand dem des Menschen überraschend ähnlich ist, wie Sie in „Katastrophentouristen“ schreiben. Helfen Haustiere in der Krise?

 Auf jeden Fall. Sie haben was Beruhigendes und Gleichmütiges, das hilft durchaus – bei kleinen Krisen wie in der nun erlebten großen. Mit einem Gerücht muss ich allerdings aufräumen: Entgegen anders lautender Meldungen besitze ich nach wie vor keine Wellensittiche! Ich schwöre, ich war nach dem Schreiben meiner Erzählung „Katastrophentouristen“ kurz davor und hatte schon ein entzückendes Paar Wellensittiche in den Kleinanzeigen entdeckt – aber ich begnüge mich nun doch einstweilen mit dem Anblick der Halsbandsittiche in den Bäumen vor dem Fenster meiner Kölner Arbeitswohnung. Weiterlesen…

Interview, Kreativität in der Krise

Keine Kreativität ohne Krise

Abgesagte Lesungen, geschlossene Buchläden, Verzögerungen bei der Soforthilfe für Selbstständige – die Schlagzeilen zeichnen ein düsteres Bild für den deutschen Literaturbetrieb in der Corona-Zeit. Selbstverständlich ist auch das Kulturgut Haus Nottbeck von den Einschränkungen nicht verschont geblieben, musste Veranstaltungen absagen und verschieben. In seiner Funktion als digitales Medium des Literaturmuseums wollen wir unseren Hausblog nutzen, um hier die aktuelle Situation aus der Perspektive der Schriftstellerinnen und Schriftsteller zu dokumentieren. In der Online-Interview-Reihe „Kreativität in der Krise“ fragen wir dafür bei Literaturschaffenden nach, wie die Corona-Zeit ihre berufliche Situation beeinflusst, welche Auswirkungen Lockdown und Versammlungsverbot auf die Kreativität haben und ob Schreiben ein systemrelevanter Beruf ist. Dabei kommen verschiedene Autorinnen und Autoren aus aktuellen und vergangenen Projekten der LWL Literaturkommission zu Wort. Unser erster Interviewpartner ist Ralf Thenior.

Fotograf: Kalle Gajewsky

Herr Thenior, im Jahr 2001 wurden Sie „erster Schulschreiber der Republik“, ihr Ziel war es, „die Lust auf Sprache“ bei den Schülerinnen und Schülern zu wecken. Nun hat die Corona-Krise nicht zuletzt die Schulen vor große Probleme gestellt, ein geregelter Sprachunterricht ist kaum mehr möglich, das Lernpensum aufs nötigste beschränkt. Wie wichtig sind Literatur, Sprache und ein kreativer Umgang mit ihr in einer Krise?

Um einmal den belgischen Nachtbotaniker Henri Fortal zu zitieren: Keine Kreativität ohne Krise. Man könnte in den Teppich beißen, so schlecht geht es einem. Und dann steigen die Gedanken auf, ein Poem entsteht, dass sich in die Weltliteratur aufschwingt. Dazu kommt es selten, doch Aufschwünge sind es schon. Jeder noch nicht gedachte Gedanke, der in einem Schädelgewölbe aufblitzt, gehört zum Weltkulturerbe. Wir schwimmen alle in der gleichen Luft, alle Menschen, alle Tiere und vor allem alle Pflanzen. Wir fliegen in diesem Fluidum, das wir alle teilen, das unser Wasser ist: die Luft. Die wir nicht zerstören dürfen. Wasser für alle und eine gute Kanalisation ist wichtig für die ganze Welt. Eine aufmerksame Schülerin sagte: Jeder neue Gedanke verändert dein Bewusstsein, verändert dich. Du willst Passagier auf diesem Raumschiff Erde werden, dann lerne die Regeln. Weiterlesen…

Interview, Medien

Luca Briewe | Gabenzaun

 

 

Der Hörtext „Gabenzaun“ von Luca Briewe beruht auf Recherchen im April und Mai diesen Jahres und thematisiert Obdachlosigkeit in der Corona-Krise. Eingelesen wurde er von Rainer Bärensprung.

 

Was sind Ihre Gedanken zu sog. „Corona-Blogs“ – sorgt das vermehrte Sprechen über den Lockdown im Privaten und oft ja auch eher Banalen dafür, dass Gruppen mit viel basaleren Problemen zu wenig Beachtung in dieser Situation finden?

Ja, obwohl der Lockdown für viele Menschen als Herausforderung/Belastung empfunden wird, sind m. M. n. Gruppen mit tiefgreifenderen Problemen in den Hintergrund gerutscht. Als Autorin war dies für mich die Motivation für zwei Texte.

Wie sind Sie zum Thema Wohnungslosigkeit während der Pandemie gekommen, was war der Auslöser?

Ich kenne eine Frau, die mit ihrer Tochter im Auto lebt. Sie putzt und ihr Kind besucht die Kita. Während des Lockdowns habe ich mich gefragt, wie sie zurechtkommt. Eine Freundin erzählte mir, dass sie selber Lebensmittel sammelt für den Anfang April eingerichteten Gabenzaun. Das habe ich mir angesehen.

Wie sind Sie in der Recherche zum „Gabenzaun“ vorgegangen?

Zuerst habe ich die Obdachlosenzeitungen gelesen. Da gab es Beilagen, wo die Städte mit ihren Angeboten z.B. Wärmestube, Mittagstisch… aufgelistet waren. Da ich vermutete, dass fast alle Angebote wegbrechen würden, habe ich dann mit den Mitarbeitern in verschiedenen Städten telefoniert und nachgefragt und auch ein bisschen im Netz recherchiert. Dann habe ich mit einigen wenigen betroffenen Frauen ein Telefoninterview machen dürfen.

Im Text schwebt der Lockdown noch als Damoklesschwert über der Protagonistin – setzen Sie sich auch jetzt noch speziell mit der Situation wohnungsloser Menschen auseinander?

Ich verfolge in den Medien und im Austausch mit ehemaligen Kollegen weiterhin die Situation. Speziell in diesem Text war mir die Situation von Frauen, die verdeckt obdachlos sind, wichtig.

Der „Gabenzaun“ als Symbol – eben nur ein Symbol?

Im Gespräch mit wohnungslosen Menschen fiel mir auf, dass viele zwar die Hilfe/Geste zu schätzen wissen, aber eigentlich eine geschützte Privatsphäre brauchen. Wie meine Protagonistin wollen sie an der Gesellschaft teilhaben. Es gibt eine Scham und eine Angst, weiter an den Rand zu rücken. Diese Menschen brauchen Wohnraum; natürlich gibt es auch einen großen Teil, der unterstützende Maßnahmen braucht und auch wenige, die es vorziehen, „abgewandt“ von der Gesellschaft „auf Platte“ zu leben.

Die Gesellschaft darf nicht weiter auseinanderdriften. Charity hat einen Wert, ist aber kein Ersatz für politische Lösungen und gesellschaftsrelevante Veränderungen. Diese müssen aber gefunden werden, damit eine Frau ohne Wohnung nicht durch diese Krise in Alkoholismus und Prostitution gedrängt wird.

Bücher, Ins Regal gegriffen

Max von der Grün – Irrlicht und Feuer

Nachdem in Walter Köppings Wir fürchten nicht die Tiefe des Öfteren von ihm die Rede war und er mir schließlich auch bei Recherchen zu einem anderen Projekt mehrfach namentlich untergekommen ist, sollte es diesmal ein etwas zielgerichteterer, um nicht zu sagen: skandallüsterner, Griff ins Regal werden – nach Max von der Grüns Irrlicht und Feuer (1963), dem Roman, der den schreibenden Grubenlokführer seine Arbeit unter Tage gekostet, ihm die Ungnade der Gewerkschaften einbrachte und seine Karriere als Schriftsteller zementiert hat.

 

Als Nicht-Westfälin aus einer Nicht-Bergbauregion, über fünfzig Jahre später, also ohne jeden inneren Bezug zum Thema, hatte ich erwartet, dass mich Jürgen Fohrmann und sein Dasein kälter lassen würden. Aber obwohl auf Seite fünfzig immer noch kein Kopf vom abgerissenen Förderband abgetrennt worden war, schließlich war man mit einer gewissen splatterigen Erwartungshaltung an die Lektüre herangegangen, hat es das nicht getan. Weiterlesen…

Autor*innen, Bücher, Ins Regal gegriffen

Judith Kuckart – Kaiserstraße

Aus einer fixen Idee heraus verbindet sich der Lebenslauf des Protagonisten der Kaiserstraße (DuMont 2006), Leo Böwe, mit seiner Phantasie der 1957 ermordeten Prostituierten Rosemarie Nitribitt, als Böwe auf Geschäftsreise zufällig von dem Fall erfährt, der ihn ein Leben lang nicht loslässt.

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Autor*innen, Bücher, Ins Regal gegriffen

Bernhard Trecksel – Nebelmacher

Dark Fantasy aus dem Münsterland? Vielleicht nichts, was man auf den ersten Blick in Verbindung bringen würde – doch unser heutiger Griff ins Regal zeigt: es gibt nichts, was es nicht gibt in der westfälischen Literaturlandschaft, also auch blutige Fantasyepen wie Bernhard Trecksels Nebelmacher (blanvalet, 2015).

Mit dem Fall der Titanen, der alten Götter, hat sich ein undurchdringlicher, nie endender Nebel über das Reich Thetis gelegt. Während die Bewohner der Pentae, der Metropolen, davor zittern und ihre Lebensräume mittels magischer Steine vom feindlichen (stellenweise durchaus als gefräßig beschriebenen) Nebel freihalten, scheinen die Barbarenstämme der Außengebiete, die noch dem Titanenglauben anhängen, problemlos mit den widrigen Bedingungen zurechtzukommen. Weiterlesen…