Autoren, Texte

Shortcuts 2012

Die Sieger des Wettbewerbs “Shortcuts – Westfälischer Kurzhörspiel-Award” werden am 6. Juli 2012 im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung im Museum für Westfälische Literatur (Oelde-Stromberg) bekannt gegeben und ausgezeichnet. Es entscheidet eine Publikumsjury. Zur Wahl stehen zehn von einer Vorjury ausgewählte Kurzhörspiele, die im Rahmen von Projekten der Bauhaus-Universität Weimar (Studiengang Experimentelles Radio) und der Universität Paderborn (IMT-Medien) als Hörspiele realisiert wurden und bei der Veranstaltung am 6. Juli ihre Premiere feiern. Insgesamt beteiligten sich rund 100 Autorinnen und Autoren mit über 180 Beiträgen an dem Wettbewerb. Der Shortcuts-Hörspielaward ist ein von der LWL-Literaturkommission und den IMT-Medien der Universität Paderborn entwickeltes Projekt des westfalenweiten Festivals [lila w]: Literaturland Westfalen. Die Preissumme beträgt für den ersten bis dritten Preis je 500 Euro. Außerdem wird ein Regie-Preis in Höhe von 300 Euro vergeben. Die Siegerbeiträge erscheinen auf einer CD und sind außerdem an Hörinseln im Park des Literaturmuseums zu hören.

Autoren, Texte

Expeditionen ins Rockreich

In seinem neuen Buch “Überleben auf Festivals” stellt Oliver Uschmann ultimative Fragen: Wie soll man sich verhalten, wenn man einem “Bollo”-Typen begegnet? “Der Bollo ist ein von jeglichen Umgangsformen befreiter, tätowierter Mann, der meistens Jogginghosen aus Ballonseide trägt. Von sich selbst sagt er, dass er ein lieber Typ sei, doch im Gegensatz zur Gattung Männerherz, auf die das wirklich zutrifft, muss der Bollo leider regelmäßig etwas oder jemanden zu Klump schlagen, am liebsten zu den Klängen seiner Lieblingsgattung des Musikers, dem Grobian. Die Bezeichnung Bollo stammt aus dem alltäglichen Sprachgebrauch des ‘Herumbollerns’, also des rüden und unsensiblen Verhaltens. Manche behaupten allerdings, sie gehe auf ein Leibgericht des Bollos zurück: die ‘Pom Bollo’, einen Riesenhaufen Pommes frites mit zwei Litern Hacksoße. Ein barbarisches Gericht, das es in dieser Form nur im Ruhrgebiet gibt.” Weiterlesen…

Autoren, Texte

100 Dinge/Das Mixtape

von Tobias Wimbauer

Peter Probst hatte vorhin ein Photo auf seiner Facebookpinnwand. Darauf eine Musikkassette und  ein Bleistift. Drunter stand: »unsere Kinder werden den Zusammenhang nie verstehen.« Und es entspann sich eine Diskussion darüber, dass man sich ja noch nicht ganz alt fühlen müsse, solange  da »unsere Kinder« und nicht »unsere Enkel« stehe, und dass die Kinder erst recht verwirrt wären, wenn die Kassette über den Löchern oben auch noch Tesastreifen aufweisen würde.
Das brachte mich darauf, dass ich von Mixtapes schreiben wollte. Doch erst noch eines zu dem Bleistift und der Kassette: Also, mit Kulis oder Stabilos ging das manuelle Spulen viel besser als  mit Bleistiften. Die waren nach exzessivem Spulen irgendwann abgenuddelt, das war dann beim  Draufrumkauen (ich bin ein alter Bleistiftkauer beim Schreiben oder Korrekturlesen) unangenehm, weil die Lackierung abblätterte. Und man immer (»pfff-t pfff-t«) die Lacksplitter ausspucken musste. Weiterlesen…

Autoren, Portraits, Texte

Dingwelten

Literarische Gedanken zu 100 Dingen. Ein Buch von Mirko Kussin und Tobias Wimbauer

Die Geschichten hinter den Dingen

Wir sind von Dingen umgeben. Dinge, die wir brauchen: EC-Karten, Kühlschränke, Netzteile und Duschen.
Andere brauchen wir nicht und besitzen sie trotzdem: Sandwich-Toaster, Kaffeevollautomaten, Lesezeichen. Oder besitzen sie uns?
Und ist die Leere ein Ding? Auch darüber haben wir geschrieben. Außerdem über Dinge aus der Vergangenheit, aus der Kindheit: den Commodore 64, Yps-Hefte und Fernseher ohne Fernbedienung. Erinnerungsdinge. Letzte Dinge können uns traurig machen. Oder fröhlich. Wenn es gute letzte Dinge sind, machen sie uns gleichzeitig traurig und fröhlich. Die letzte Szene einer Fernsehserie, der letzte Kuss. Ein PS: Ich liebe Dich, ganz am Ende.
Wir haben hundert Texte über hundert Dinge geschrieben. Manche sind melancholisch, andere albern, einiges wird Ihnen bekannt vorkommen, anderes wird Ihnen neu sein. Immer wollten wir die Geschichten hinter den Dingen erzählen. Persönliche Geschichten, von denen wir glauben, dass sie wichtig sind.
An welchen Dingen hängen Sie? Und warum?

Mirko Kussin | Tobias Wimbauer: Hundert Dinge.
Hagen-Berchum: Eisenhut Verlag, 2012, 144 Seiten,
ISBN 978-3-942090-20-9, Br., 14,90 € (= Bibliotope, Band 9)

Allgemein, Autoren, Lesungen, Portraits, Texte, Veranstaltungen

Was man weiß, was man wissen sollte

 

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Roland E. Kochs Roman über Kardinal von Galen provoziert, aber polemisiert nicht. Die westfälische Literatur ist nicht gerade reich an Literaturskandalen. Wir erinnern uns: 1956 probten in Schmallenberg junge Rebellen um Hans Dieter Schwarze und Paul Schallück den Aufstand gegen die etablierten, vielfach NS-infizierten Heimatdichter und fragten: Darf/kann/soll es nicht auch in Westfalen eine andere Literatur geben als schwerblütige Bauerndichtung? Im Jahr darauf brachen Stürme der Entrüstung los, als der moderne, aber “unwestfälische” Ernst Meister mit dem westfälischen Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Ende der 1970 Jahre empörte Josef Redings “Krippenrede” viele Leser. Der als blasphemisch gebrandmarkte Text wurde in über zwanzig Periodika abgedruckt und gab Stoff für eine ganze Dokumentation des “Falls” ab (Josef Reding: Krippenrede für die 70er Jahre. Skandal um ein Gedicht. Neukirchen: Neukirchener Verlag 1978). Das war’s aber dann auch schon mit Aufruhr und Entrüstung. Die westfälische Literatur bewegt(e) sich in eher ruhigem Fahrwasser. Im letzten Herbst sorgte jedoch ein Roman über Kardinal von Galen für Zündstoff. In “Dinge, die ich von ihm weiß” unterstellt der Hagener Autor Roland E. Koch dem selig gesprochenen Münsterer Bischof eine Liaison mit seiner Haushälterin und ein Kind, das aus dieser Verbindung hervorging. Dass diese “Ungeheuerlichkeit” in Münster für Furore sorgen würde, war leicht auszurechnen. Und so kam es denn auch: Der Bischof rief zum Boykott auf, das Buch verschwand aus den Auslagen der Münsterschen Buchhandlungen.

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Autoren, Texte

Jo Raketenpo

1985 verfasste der französische Skandal-Chansonier und Mime Serge Gainsburgh das Buch „Die Kunst des Furzens. Das explosive Leben des Ivgeni Sokolov”. Und jetzt das hier: Wieder ein Tabubruch, ein Skandal: Jo Raketenpo ist in den Startlöchern und lässt seine Winde wehen, dass sich die Balken biegen. Also festhalten und anschnallen!
Pinkus Tulims Kinderbuch “Jo Raketenpo” feierte im vergangenen Herbst seine Hörbuchpremiere im ehrwürdigen Nottbecker Gemäuer. Sprecher war Christoph Maria Herbst. Seine kongeniale Rezitation gab der Geschichte eines kleinen Jungen, der plötzlich von ganz besonderen übersinnlichen Kräften heimgesucht wird, eine wunderbare Farbe und ganz spezielles Kolorit. Eine weitere mediale Ebene bildeten die auf Großleinwand projizierten Buchillustrationen von “der Anton” alias Anton Riedel.
Die Lesung zeigte einmal mehr: Gute Kinderliteratur ist immer auch gute Erwachsenenliteratur. Und wie wir wissen, ist es viel schwieriger, für Kinder zu schreiben als für die, die sowieso schon alles vermeintlich besser wissen. Kinder können auch die viel härteren Kritiker sein. Wenn ihnen ein Buch nicht gefällt, schmeißen sie es einfach in die Ecke. So what? Jo Raketenpo aber werden alle, ob 8 oder 80, ins Herz schließen. Er ist auf seine Weise ein Superstar. Er macht’s mit dem Duft der großen weiten Welt, der hier ausnahmsweise hält, was er verspricht.
Der in diesen Tagen erschienenen Buchfassung von “Jo Raketenpo” ist aller Erfolg zu wünschen. Wie Pinkus Tulim in Nottbeck erzählte, sei ihm die Geschichte sozusagen durch die Finger geflutscht. Er habe sie in einem Rutsch niedergeschrieben. Diese Leichtigkeit, diese Anmut und auch: diese Unschuld merkt man dem Text an, der mit größter Selbstverständlichkeit durch Zeit und Raum mäandert und so ganz nebenbei die Schwerkraft ausschaltet und uns zuletzt in fremde Inselwelten entführt. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten…
Walter Gödden

Pinkus Tulim: Jo Raketenpo. Lausbuch Kinderbüch 2011. 168 Seiten. 12,95 Euro. ISBN 978-3940273031.

Autoren, Texte, Topics

Life on Mars für Kinderseelen

All denjenigen, die auch heute noch beim Stichwort „Weihnachtsserie“ in Erinnerungen an glücklichere Kindheitstage schwelgen, sei kurz nach den Feiertagen eine Neu-Edition der Verfilmung der „Vorstadtkrokodile“ von Max von der Grün ans Herz gelegt. Die Erstausstrahlung flimmerte 1977 über die Bildschirme.

Das Grau der von der Grün’schen Staublungenliteratur ist in „Vorstadtkrokodile“ dem „Multicolor“ der Siebziger Jahre gewichen. T-Shirts, Autos, Markisen leuchten so knallig Orange und Grün, als sei die Ruhrgebiets-Wirklichkeit vor dem Dreh mit fettesten Buntstiften ausgemalt worden. Die Handlung ist – wie von der Grüns Vorlage – Jugendbuch-like: Die „Krokodiler“, eine Kinderbande, die einer kästnerisch wirkenden Vorstadtsiedlung entstammt, erleben ein detektivisches Abenteuer im Fünf-Freunde-Stil. Für alle Erinnerungsjunkies der Generation-Golf ist die Rahmenhandlung aber nebensächlich. Schon den ersten Bildern haftet die Wirkung verbotener Substanzen an, unerbittlich werden die Nostalgie-Rezeptoren der Erinnerungszonen befallen. Nach nur wenigen Filmsekunden wird man überwältigt und findet sich zurückversetzt in die Zeit der großen Ferien, die im Film wie ein Life on Mars für leidgeprüfte Kinderseelen wirkt.
Man wohnt einer Kunst des produktiven Nichtstuns bei, die in ihrer dargebotenen Formvollendung nur Kindern eigen ist, und dessen Glückverheißungen uns Erwachsene in tiefste Melancholie katapultiert. Die Zeit zieht sich wie Kaugummi, mäandert ähnlich ziellos wie die Handlungen der „Krodiler“, die in Schlangenlinien mit ihren Rädern durch die sommerliche Siedlung kurven oder beim Popeln gedankenverloren ihre Zeigefinger in den eigenen Nasenlöchern vergessen. Weiterlesen…

Autoren, Provinz, Texte

Christmas Diaries 1910/Gustav Sack

Gustav Sack,1910Nachts Mondfinsternis. Der Erdschatten rostbraun. Mit der westlichen, vom Schatten noch nicht erreichten, glänzenden Calotte, die als erhellt größer erschien als der beschattete Teil, strahlig verwischt turnte der Mond wie ein Algenschwärmer durch den hohen Himmel. Hinter ihm im Osten der Himmel blauschwarz mit zahllosen silbernen Sternen, vor ihm ein weißliches Graublau sternenarm. Als die Verfinsterung vollkommen, hing er wie eine rostbraune, im Erlöschen begriffene Papierfackel oben in der dunklen, lautlosen Nacht. Unbeschreiblich schöne und tiefe Stunden. Der Gedanke, so im All zu hängen, machte den Boden wanken unter den Füßen. Himmel wolkenlos, kalter Nordwest. Heute wieder in der Heide, ich habe Tannenzweige im Zimmer verbrannt, eine weihnachtliche, erhobene Stimmung durchwogte mich.

 Gustav Sack, Tagebuch 1910, zit. nach Prosa, Briefe, Verse, 1962

Autoren, Interviews, Portraits, Provinz, Texte

[In eigener Sache]: Zwischen Kleinstadtmuff und Avantgardeambitionen.

Walter Gödden erkundet 400 Jahre westfälischer Literaturgeschichte.
In Walter Göddens unlängst erschienener Aufsatzsammlung zur westfälischen Literatur, „Querbeet. 72 literarische Erkundungen in Westfalen“, stehen sie ungezwungen und gleichberechtigt nebeneinander: die Klassiker, die Newcomer und die Unterhaltungsschriftsteller der westfälischen Literatur. Dass der Verfasser mit dem Titel „Querbeet“ augenzwinkernd auch auf die ländliche Grundsituation der hiesigen Literatur anspielt, ist zu vermuten. Provinz scheint einer literarischen Kultur aber nicht abträglich zu sein. Im Gegenteil: Sie bietet Reibungsflächen, ist Ursache von Verzweiflung, Unmut und Sehnsucht und reizt daher zu Widerspruch, Protest und Defätismus. Provinz wurde und wird so zur Antriebsfeder zahlreicher literarischer Karrieren. Der Zusammenhang zwischen provinzieller Herkunft und Rebellentum, zwischen Kleinstadtmuff und Avantgarde-Ambitionen kehrt als Thema in vielen der versammelten Aufsätze wieder. Literarische Außenseiter und Nonkonformisten sind es in der Mehrzahl, die Gödden in seinen Streifzügen durch 400 Jahre regionaler Literaturgeschichte – ursprünglich erschienen in Feuilleton und Ausstellungskatalogen – aufgreift. Auf die als bedrückend erfahrene geistige Enge der westfälischen Provinz antworteten zur Zeit der Jahrhundertwende Autoren wie Gustav Sack, Peter Hille und Paul Zech mit einer künstlerischen Rastlosigkeit und Verweigerungshaltung, die derjenigen von heutigen westfälischen Songschreibern wie Jochen Distelmeyer und Bernadette La Hengst nicht unähnlich ist. Die Frage nach zeitgenössischen Bedingungen künstlerischer Produktion in der Provinz durchzieht leitmotivisch auch weitere Texte des Bandes. Gödden liegt dabei nichts ferner als ein Plädoyer für eine vermeintlich heile Provinzliteratur. Angetan zeigt er sich vielmehr von den produktiven Energien, die entstehen, wenn künstlerisch ambitionierte Freigeister sich an den engen Verhältnissen in der Provinz reiben. Die Vielfältigkeit ihrer literarischen Unternehmungen dokumentiert dieser Band eindrücklich.
Walter Gödden: querbeet 3. 72 neue literarische erkundungen in westfalen.
2011, ISBN 978-3-89528-881-4, 499 Seiten, kart. EUR 19,80

Autoren, Interviews, Portraits, Texte

Möhrchen mit Öhrchen

Die drei haben mal wieder was Infernalisches ausgebrütet. Wobei ausgebrütet wörtlich zu nehmen ist. Denn glauben wir dem Vorwort, entstand die Idee zu dem Band “Gemüse” beim gemeinsamen Saunagang von Wiglaf Droste, Nikolaus Heidelbach und Vincent Klink. Drei Männer im besten Alter, 400 Kilo Lebendgewicht, das garantiert Schärfe, Würze und porentiefes Aroma. Es geht aber nicht nur um Paprika und Chilischoten, sondern auch um andere Schoten, nämlich Kalauereien und abgedrehten Wortwitz. Scharfzüngiges also, das kulinarische Genüsse und Reflexionen über Gott und die Welt gleichermaßen süffisant und appetitlich macht. Wer wusste zum Beispiel, dass Hai und Tiger inzwischen Menschenfleisch verschmähen, weil es zu kontaminiert ist? Ein Buch voller kulinarischer Weisheiten also, von Nikolaus Heidelbach kongenial illustriert, von Vincent Klink mit allerlei erlesenen Rezepten gewürzt – und Wiglaf Droste, ja, das weiß man, bringt mal wieder den richtigen Pfeffer an die Soße, sprich spitzbübische Boshaftigkeit, getreu dem von ihm selbst zitierten Motto: “Risiko ist mein Geschäft”. Zu schön, um wahr zu sein, und demnächst live auf der Nottbecker Torhausbühne zu erleben.

Walter Gödden

Wiglaf Droste, Nikolaus Heidelbach und Vincent Klink: Gemüse, DuMont, Köln, 2011, (ISBN 978-8321-9652-3)

Medien

Shortcuts – Westfälischer Kurzhörspiel-Award 2012

Wer Radio hört, stolpert über sie. Und wundert sich. Das Format ist eigenwillig, schräg, unberechenbar – und immer unterhaltsam. Die Rede ist von Kurzhörspielen. Sie setzen ebenso schillernde wie erhellende radiophone Akzente. Die Spots dauern oft nicht länger als eine Minute und sind thematisch offen. Bei der Realisierung kommen alle tontechnischen Spielarten zum Einsatz.
„Shortcuts“ möchte westfälische Autorinnen und Autoren auf solche literarischen Abenteuerspielplätze locken. Dies soll in Form eines Wettbewerbs geschehen. Die zehn besten Beiträge werden prämiert und tontechnisch professionell realisiert. Das Einsprechen der Texte erfolgt durch bekannte TheaterschauspielerInnen. Die 10 Siegerbeiträge werden in Form einer öffentlichen Präsentation im Museum für Westfälische Literatur vorgestellt. Sie werden außerdem auf einer CD sowie im Internet veröffentlicht. Es werden drei Beiträge prämiert: 1. Preis 1.000 Euro / 2. Preis 500 Euro / 3. Preis 300 Euro. Weiterlesen…

Autoren, Portraits

die geschichte der bäume / die geschichte der wörter

Am 1. November verstarb mit Siegfried Kessemeier ein Autor und Literaturfreund, der maßgeblich an der Konzeption unseres Museum mitgewirkt hat. Sein Tod hinterlässt eine bleibende Lücke im westfälischen Kulturleben. Es ist gerade einmal ein Jahr her, da hatten wir mit Siegfried Kessemeier ein Interview im Rahmen des Projekts „Ich schreibe weil…“, in dem er auch von seinen aktuellen literarischen Plänen erzählte. Und das waren nicht wenige. Siegfried Kessemeier steckte immer voller Tatendrang, was auch mit seinen vielen (Neben-)-Berufen zu tun hat. Er war gelernter Publizist und Historiker, aber ebenso, wie er selbst sagte, „begeisterter Museumsmann“ und als solcher ein Freund der alten wie der modernen Künste. Seine eigentliche Passion aber war die Literatur. Er gab drei eigene Gedichtsammlungen heraus, ist in zahllosen Anthologien vertreten und hatte keine Berührungsängste, mit jungen Jazzern zusammenzuarbeiten.
Kessemeier war geradezu die Inkarnation eines homme de lettres. Weiterlesen…

Autoren, Medien, Videos

Der Film zum Fest. 10 Jahre Nottbeck!

We proudly present: Den Nottbeck-Jubiläumsfilm zum 10-Jährigen, aufgenommen am 16. und 17. Juli 2011. Ein ganz großes Dankeschön an den Filmemacher Jens Mayer, der unendlich viel Zeit und Mühe in das Projekt investierte. Ins Bild gerückt werden: Katharina Bauer, Markus Berges, Oliver Breitenstein, Simon Camatta, Serge Corteyn, Marc Degens, DJ AT, Emanuel Fleischhacker, ERDMÖBEL, Erwin Grosche & die Flamingos, Jan Klare, Nicolai Kobus, Kommando Elektrolyrik, Ruppe Koselleck, Thomas Krüger, Ivette Vivien Kunkel, Sulaiman Masomi, Helmut Rellergerd, Ralph Ruthe, S. J. Schmidt, Oliver Siegel, Ilse & Ulrich Straeter, Ralf Thenior, Jutta & Jan-Christoph Tonigs, Mischa Sarim-Vérollet, Andy Strauß, Stephan US, Oliver Uschmann, Andreas Weber, Christoph Wenzel, Ralf Werner, Jürgen & Rocco Wiersch, YOU ARE SO ME, Literatur-Lounge: SpecOps.

Autoren, Portraits, Provinz, Texte

Komm ins Abenteuerland

 

Einst entsandte Grimmelshausen seinen Simplicissimus ins Reckenland Westfalen, um sich hier umzuschauen. Nun schlüpft der Poetry-Slammer Mischa-Sarim Vérollet in die Rolle eines bayerischen Aliens, um Westfalen mit neuem Blick kennen zu lernen.

Leo ist Franke. Und hat einen sprechenden, störrischen Rucksack, Paul. Was er nicht mehr hat, ist Frida. Die hat ihm den Laufpass gegeben. Will eine Auszeit nehmen, weil’s in der Beziehung kriselt. Aus ihrer Sicht. Leo sieht das ganz anders. Er will unbedingt mit Frida ein klärendes Gespräch führen, das alles wieder ins rechte Lot rückt. Doch Frida ist fort. Nicht im fernen Thailand, wohin ihre Flucht vor dem ungestümen Leo zunächst gehen sollte, sondern ausgerechnet in einer – für Franken – terra incognita: WESTFALEN. Und genau dorthin macht sich Leo auf, um Frida wieder in die Arme zu schließen. Doch er hat Pech. Immer kommt er einen Tick zu spät, um Frida zu erwischen. Wie Hase und Igel. Oder so ähnlich.

So ist Leo auf Manu, die gemeinsame Freundin, angewiesen. Sie versorgt ihn mit den aktuellen Koordinaten von Fridas jeweiligen Aufenthaltsorten. Und schwupps schultert Leo seinen Rucksack und nimmt die Witterung wieder auf, so blauäugig wie einst Voltaires Candide, der nicht zufällig aus hiesigen Breiten stammt.

So viel zur Rahmenhandlung. Die Binnengeschichte zeigt Leo The Conquerer. Er erobert Westfalen auf seine Weise: Erotisch (die Girls fliegen ihm nur so zu), kulinarisch (da hat es ihm vor allem die Currywurst angetan) und alkoholisch (bei seinem Beziehungsfrust lässt er keine Biersorte und nichts Hochprozentiges aus). Weiterlesen…

Autoren, Texte

Ortungsversuch

Beckumer Berge, Stromberger Schweiz. Erstaunlich, was das als so flach geltende Münsterland topographisch und toponymisch so zu bieten hat. Sogar eine Höhenburg gibt es hier ganz in der Nähe von Haus Nottbeck, das mich zur Zeit für einige Tage beherbergt und mir einen Raum (und Gegend!) zum Schreiben bietet. Die höchste Kuppe dieses Massivs befindet sich auf übersichtlichen 174,4 m über N.N. In unmittelbarer Nähe meines Wohnortes Aachen liegt der Vaalserberg, die höchste Erhebung der Niederlande, mit 332,7 m über N.N ist sie ähnlich üppig.[1] Dort treffen Belgien, die Niederlande und Deutschland aufeinander. In diesem Umfeld liegt meine, wie man landläufig sagen würde, ‘zweite Heimat’. Vor mehr als 12 Jahren bin ich dem Bindestrich NRWs (in entgegengesetzte Richtung) entlang dorthin umgezogen.

Wenn es soetwas wie eine zweite Heimat gibt, dann muss es auch eine erste geben. Ob die Ordnungszahl eine chronologische Angabe ist oder etwas über die Prioritäten aussagen soll, bleibt offen. Fast immer spricht man von Heimat in der Einzahl, sehr viel seltener hingegen von ‘Heimaten’. Vermutlich würde es das aber sehr viel eher treffen. Gerne – und nicht ganz ohne Koketterie – bezeichne ich mich als einen Exilwestfalen im Rheinland. Für den indigenen Oecher, wie der Aachener sich selbst nennt, ist wohl auch kaum zu überhören, wo ich wechkomme. Auch wenn sich nach über einer Dekade Leben im Rheinland sprachlich einiges verschliffen und anderes eingeschlichen hat, lässt sich nicht leugnen, dass ich den oecher Singsang höchstens nachahmen kann, aber nicht spreche. Weiterlesen…

Autoren, Texte, Topics

„Irgendwas mit Kunst“!

– kann es eine plausiblere Antwort auf die unheilschwangere Frage geben: „Und du, was willst du mal später mal machen?“

 „Irgendwas mit Kunst!“ – das hätten auch die beiden Hauptprotagonisten aus Marc Degens Roman „Das kaputte Knie Gottes“ auf die Frage aller Fragen geantwortet. Beide sind Studenten an der Bochumer Ruhr-Uni (die offensichtlich ein gutes Pflaster für Literatur ist, siehe auch die Romane Oliver Uschmanns), beide schlagen sich irgendwie durchs Leben, lassen sich treiben, sind hin- und hergerissen zwischen Wünschen und Wollen. Das Studium wird eher halbherzig durchgezogen, man verbummelt seine Zeit mit Partys, Drogen, Frauengeschichten, tausenderlei anderen, teilweise obskuren Alltagsvergnügungen. Und irgendwie klappt es ja doch, irgendwie bekommt man, wie auch immer, das nötige Kleingeld fürs Überleben zusammen – und sei es als Kartenabreißer in einem Porno-Kino. Weiterlesen…

Autoren, Lesungen, Medien, Veranstaltungen

Pigor & Eichorn. Volume 7

Am 10.11. 2011 statten die Jazzchansonisten, Salon-Hip-Hopper oder Prenzel-Polkaner, die Berliner Kabarettisten „Pigor & Eichhorn“, dem Kulturgut Nottbeck einen Besuch ab. Die Träger des Deutschen Kleinkunstpreises und des Österreichischen Kabarettpreises sind „wahrscheinlich die musikalischsten unter den Kabarettisten und die kabarettistischsten unter den Chansonniers“ und „gehören mit Sicherheit zum Sehenswertesten, was zur Zeit über die deutschen Bühnen zieht.“ Die Zeit schreibt: „Wer von Chanson mehr erwartet als den üblichen Mann-Frau-Hickhack und schwülstige Bebilderung von Seelenzuständen, liegt bei Pigor & Eichhorn genau richtig! Die Themenpalette, die die beiden Berliner zu bieten haben, ist atemberaubend und führt uns in Gefilde, wo bisher niemand Material für deutschsprachiges Liedgut vermutete. Ihre Songs sind böse, scharfsinnig um die Ecke gedacht.“ Doch schauen sie selbst: Als Teaser gibt’s hier die legendäre Abrechung des Duos mit der IT-Branche.

Autoren, Texte, Topics

Geister der Vergangenheit

An dieser Stelle möchten wir passend zum Bücherherbst neue Romane westfälischer Autoren vorstellen. Den Anfang macht der schon im letzten Jahr erschienene Roman “Katzenberge” der in Münster lebenden Autorin Sabrina Janesch.

Es spukt in Sabrina Janeschs Debütroman „Katzenberge“. Gespenster allenthalben: im Dämmerlicht erobern sie die Lichtungen und Felder und tanzen den Großeltern der Erzählerin vor der Nase herum. Die Gegend der Katzenberge im ehemaligen Schlesien, in die es jene nach ihrer Vertreibung aus Galizien verschlug, strahlt eine unheimliche, beängstigende Atmosphäre aus. Bis klar wird, dass hier keine echten Kobolde und Geister hausen, drohen auch uns Lesern die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Geisterwelt auf beunruhigende Weise zu verschwimmen. Diese Erfahrung teilen wir mit den entwurzelten Großeltern, die verzweifelt im ostpolnischen Volkglauben die Erklärung für die übersinnlich anmutenden Erscheinungen suchen. Man übt sich in Exorzismen, nagelt Eulen an die Haustür, bedeckt die Dielen mit Kräutermischungen. Die Ursache für die rätselhaften Geschehnisse erweist sich schließlich als profaner, doch nicht weniger kompliziert. Es sind die sprichwörtlichen Geister einer unbewältigten Vergangenheit, die die Alten seit Jahrzehnten in Atem halten. Weiterlesen…

Lesungen, Provinz, Veranstaltungen

Nottbeck City Limits Vol. I

Nottbeck City Limits“ heißt unser neues Show-Format. Klingt origineller als „JauchwillPlasberg“ zusammengeschrieben. Und ist es auch: Nach einer nervigen Flut von Initiativbewerbungen aus dem öffentlich-rechtlichen Mediensegment, die um unseren Talkmaster-Job buhlten, haben wir mit Wiglaf Droste einem der letzten Freigeister der Republik offeriert, dem Kulturgut als Conférencier zu dienen. Natürlich hat der dann gleich zugesagt. Premiere feiern wir am Samstag, den 24.09. 2011. Was genau passieren wird, hat er uns mit noch keiner Silbe wissen lassen. Außer, dass er mit Harry Rowohlt, einem wahren „Kracher“, einen ersten Gast im Gepäck hat, der geradezu wunderbar zum Profil und Programm des Hauses passt. Uns freut das natürlich – denn wir geben’s zu, dass Harry Rowohlt eigentlich schon immer eine Wunschbesetzung war. Weiterlesen…

Allgemein, Autoren, Portraits, Texte

Preview der Nottbecker Lyrikedition „Roter Faden“


Falls Sie den Eindruck bekommen haben sollten, dieser Blog wird von einem Arbeiter-Gedenkverein betrieben, der sich wöchentlich zu Lesungen in historischer „blue-collar“-Tracht und Grubenlampen-Ambiente trifft, dann liegen sie ganz falsch: denn am kommenden Sonntag wagen wir wieder einen Sprung in das „Gerade Eben Jetzt“ und spüren den „Schreibweisen der Gegenwart“ (Eckard Schumacher) im Ruhrgebiet nach. Das Ganze live auf dem Kulturgut und zum Nachlesen in unserem neuen editorischen Leuchtturmprojekt, der Lyrikedition „Roter Faden“. Lyrik erlebt eine Renaissance, das spiegelt sich an den vielen jungen Talenten wieder, die die Aufmerksamkeit der Feuilletons genießen. Ein Trend, der auch im Ruhrgebiet zu beobachten ist. Die Lyriker/Innen Ellen Widmaier, Katharina Bauer, Ralf Thenior und Thomas Kade sind Teil einer vitalen Poetry-Szene in Dortmund und bestreiten zusammen die ersten vier Bände der Edition. Weiterlesen…

Autoren, Portraits, Texte

Von Dichtern mit Staublungen


2011 ist das Jahr der Arbeiterliteratur und -dichtung. Nach der hier gezeigten Ausstellung zur Gruppe 61 und ihrer Erkundung eines untergegangenen Jahrzehnts, in denen Staublungen auf Farbfernsehen trafen und die Arbeit vor Kohle in den symbolischen Raum der Literatur abwanderte, hat die LWL-Literaturkommission nun noch einen Meilenstein der hiesigen Bergarbeiterdichtung aus den lichtlosen fünfziger Jahren ans Tageslicht befördert: Uwe-K. Ketelsen gibt die Neuauflage der Anthologie „Wir tragen ein Licht durch die Nacht“ von 1960 heraus. Der vorliegende Band wurde damals von einer pädagogisch-paternalistisch wirkenden, um hochkulturelle Bildung, bergbauliches Ethos und politische Mobilisierung bemühten Gewerkschaft initiiert.
Im Unterschied zur „modernen“, zeitkritischen Schreibe vieler Autoren der Gruppe 61, trifft man neben “Klassikern“ wie Paul Zech und Josef Winckler auch auf manch unbekannten jüngeren Autor und auf einen Untertage-Existentialismus, der tief in die erste Jahrhunderthälfte zurückweist. Weiterlesen…

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„Strange Kebab“

Ralf Thenior und Ralf Werner präsentieren klangvolle Minutengeschichten.

Nachdem uns Ralf Thenior am Jubiläumssamstag mit seinen balkanischen Impressionen beglückt hat, heißen wir den Dortmunder Schriftsteller schon diesen Donnerstagabend wieder willkommen. Im Team mit dem Cellisten und Komponisten Ralf Werner präsentiert er Auszüge aus seinem Story-Band „Strange Kebab“. Ein großes kleines Buch, voll poetischer Alltagsbeobachtungen im Minutenformat, das im Herbst im Aisthesis-Verlag erscheinen wird. Die Konzentration auf die Minutenlänge erlaubt kein Wort zu viel. Und fordert geradezu eine meisterhafte Pointierung. Anordnung und Varianz der Texte ergeben einen Reigen unterschiedlichster Spielformen, von der Selbstreflexion über hörspielartige Kurzszenen, direkte, oft gallige und spröde Humoresken und Grotesken bis hin zu „Familienarien“ und Texten, die vom Assoziativen und Wortspielerischen inspiriert sind. Weiterlesen…

Medien, Portraits, Texte

Ten Years After: Nottbeck feiert Geburtstag

Das Literatur auch outdoor geht, ist nun ein für allemal bewiesen. Beim zehnjährigen Jubiläum des Nottbecker Literaturmuseums hielten 30 westfälische Autoren und Künstler das alte Rittergut besetzt. In die weitläufige Gartenanlage waren Zelte und Bühnen gepflanzt. Wie indianische Wigwams ragten weiße Lesepavillons überall inmitten der Bäume und Rasenflächen auf. Eine sanftmütig-literarzistische Kolonialisation hatte stattgefunden. Von oben muss die Kulisse mal wie ein Lady Chatterly-, mal wie ein Winnetou-Set gewirkt haben. Die Dichter hatten es sich in ihren Pavillons bequem gemacht. Manche hatten Verstärkung und Equipment im Gepäck: Der Slammer Andreas Weber den DJ seines Vertrauens, der Dortmunder Beat-Poet Jürgen Wiersch seinen Sohn, den Bluesmusiker Rocco, Ralf Thenior den Cellisten und Soundtüftler Ralf Werner, der am Laptop balkanische Flusslandschaften im Nottbecker Park entstehen ließ. Weiterlesen…

Allgemein

Literatur Live!


Markus Berges‘ liest am 16.7 in der Nottbecker Specs Op- Lounge aus seinem grandiosen Romandebüt

Wenn Musiker Bücher schreiben, geht das meist schief. Ganz anders bei Markus Berges, Gitarrist und Songschreiber der Band „Erdmöbel“. Für seinen ersten Roman „Ein langer Brief an September Nowak“ hat er sich viel Zeit gelassen – und alle Welt applaudiert. Zu Recht, denn Berges beweist, dass er nicht nur knappe Songlyrik schreiben kann, sondern auch den Atem für über 200 Buchseiten mitbringt.
„September Nowak“ erinnert auf den ersten Blick nicht an Erdmöbel-Songtexte. „Mit dem Buch wollte ich einfach etwas komplett anderes machen“, sagt Berges, „der Roman sollte auf keinen Fall erdmöbelig werden“. Also kein kalkulierter Pop-Roman, mit dem der Autor auf Nummer sicher ging. Was aber dann? Weiterlesen…

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Showtime!

Nur noch vier Wochen. Der Countdown läuft: Am 16./17. Juli feiern wir mit Ihnen das zehnjährige Bestehen des Museum für westfälische Literatur. Das Jubiläumsprogramm ist reich an Highlights: Mit einem Kinderfest am Samstagnachmittag geht’s los; ab 18 Uhr übernehmen westfälische Schriftsteller- und Künstlerfreunde das Kommando und verwandeln das Kulturgut in eine 5000 Quadratmeter-große Performance-Bühne. Anschließend sind Kommando Elektrolyrik und Erdmöbel mit ihrem verschroben-poetischen Deutschpop am Start. Eine Literatur-Lounge lädt zum Tanzen und Verweilen ein.
Am Sonntag geht’s superlativisch weiter: die multimediale Ausstellung »Ich schreibe, weil…« wird eröffnet. Der Bestseller-Autor Oliver Uschmann präsentiert in einer Literaturshow mehr als 20 Schriftsteller und Schriftstellerinnen. Geboten wird ein kurzweiliger, musikalisch untermalter Lese-Marathon.
26 Tage noch: Haben wir auch an alles gedacht? Wir glauben schon!
Hier schon mal ein filmischer Teaser:

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Yoga-los und froh dabei.

Marc Degens auf Lit-Fest in Nottbeck

Als „kafkaisch-joyceanischer Strindberg der Generation X für Beckettleser, die gerne comiclesend fernsehen“, hat Dietmar Dath den Autor Marc Degens charakterisiert und damit ganz Dath-typisch ins Schwarze getroffen. Die Generation X gibt es zwar nicht mehr, in den Texten von Marc Degens aber hat sie glücklicherweise überlebt. Degens-Helden zappen in Schlafanzügen durch nachmittägliche Fernsehprogramme, flanieren in Vorortzügen durch Ruhrstadtperipherien und trinken in Eckkneipen Bier aus großen Gläsern. Hierbei besitzen sie ein beneidenswert yogaloses inneres Gleichgewicht. In Zeiten grassierender Burn-out-Symptomatik bringt sie nichts aus der Ruhe. Arbeitende Menschen tauchen in Degens Büchern gar nicht erst auf, ein eichendörffisches Hohelied über die Arbeitslosigkeit schon: Weiterlesen…

Ausstellungen, Autoren, Topics

Blow-Up im Ruhgebiet


Im vorigen Blog sind wir mit der kapitalistischen Trümmer-Literatur Max von der Grüns tief in die depressiven Restaurationsjahre abgetaucht. Doch die Gruppe 61 bestand nicht nur aus leidgeprüften älteren Männern in grauen Anzügen. Ab Mitte der sechziger Jahre traf man auf den Gruppentreffen vermehrt auf junge zornige Protagonisten mit langen Haaren, im Gammler-Look. Trotz aller habituellen Differenzen erkannten linke Weltverbesserer wie Peter Paul Zahl, F.C. Delius und Wolfgang Körner in der Gruppe 61 einen ernstzunehmenden Ort literarischer Protestkultur in der Bundesrepublik. Sie wurden warmherzig aufgenommen – von generationellen und einem kulturellen Clash gibt‘s in der Frühphase nicht viel zu berichten. Die neuen Autoren sorgten für literarisches Tauwetter. Roher Realismus hier, bunter Pop, Montage und Doku-Fiction dort koexistierten nun in den Gruppenanthologien friedlich nebeneinander. Die Klammer lautete Engagement und Protest.
Ihr grellstes Literatur-Erzeugnis verdankt die Gruppe 61 dem Dortmunder Schriftsteller Wolfgang Körner. Weiterlesen…

Ausstellungen, Texte

Zurück zur politischen Schwarz-Weiß-Literatur. Max von der Grüns „Irrlicht und Feuer“.

In der Gattung der Schwarz-Weiß-Literatur, soviel ist sicher, hätte sich Max von der Grün ebenso wie als Arbeiterschriftsteller einen Klassikerstatus redlich verdient. Seine Bücher wirken, als sei die Farbschriftstellerei erst lange nach ihnen erfunden worden. Aber ähnlich wie die Meister des Schwarz-Weiß-Films wusste er gekonnt mit der Farbreduktion umzugehen und entdeckte sie als Stilmittel für seine hyperrealistische und protestlerische Arbeiterliteratur. In seinem Roman „Irrlicht und Feuer“ von 1962, der jüngst in einer verdienstvollen neuen Max von der Grün-Werkausgabe des Pendragon-Verlags erschienen ist, kommt von der Grün ganz ohne Farben aus. Virtuos bespielt er hingegen die Klaviatur der Grautöne und entwirft eine desillusionierende Innenansicht der industriellen Arbeitswelt der frühen sechziger Jahre. Die konsequent schmutzige Grauzeichnung der Gesichter, des Himmel, der Siedlungen, Fabrikhallen und Bäume, die Anknüpfung an einen kompromisslosen Realismus mit Mut zur Hässlichkeit war ein literarisches Störfeuer; sein illusionslos-verloren wirkender Held Fohrmann ein Wiedergänger des Borchert‘schen Beckmanns in Wirtschaftswunderzeiten. Weiterlesen…

Ausstellungen, Lesungen, Medien, Provinz, Texte, Veranstaltungen

Face to Face

Die Sache mit den großen Ereignissen und den Schatten, die sie vorauswerfen… Klingt abgedroschen. Doch hier triffts den Kern. Denn hinter den Kulissen wird mächtig gewerkelt und gebastelt. Durchaus auch handwerklich. Denn im Mittelpunkt der Ausstellung ICH SCHREIBE, WEIL…, die ab dem 17. Juli im Museum für Westfälische Literatur zu sehen ist, steht eine riesige Projektionswand, die derzeit von der Paderborner Künstlerin Emell Gökce in Handarbeit mit Pappmaché und viel Kleister gestaltet wird. Hier werden sie also zu sehen sein: 11 thematisch aufbereitete Video-Cuts mit 36 westfälischen Autorinnen und Autoren als Hauptdarstellern. Die Clips bilden den Extrakt aus über 25 Stunden Filmmaterial, das zwischen 2009 und 2011 von Thomas Strauch und seinem Team (IMT-Medien der Universität Paderborn) über jene Autorinnen und Autoren gedreht wurde. Erdacht und inhaltlich betreut wurde das Konzept von der LWL-Literaturkommission. Weiterlesen…

Ausstellungen, Medien, Texte

Die nackte Angst. Gänsehaut-Hörspiel im Museumskeller

Jule Vernes „20000 Meilen unter dem Meer“ ist harmlos dagegen. Denn hier ist die Fiktion real oder genauer: halbreal. Bruno Gluchowski nahm eine Bergwerkskatastrophe im nordfranzösischen Kohlenrevier zum Anlass eines Hörspiels, das beklemmender nicht sein könnte. In „Der Durchbruch“ ist eine Kolonne Bergleute nach einem Grubenunglück in der Zeche Sommerdelle 700 Meter unter der Erde eingeschlossen. Die Kumpel wissen, was das bedeutet: Die Chance auf Rettung ist gleich null. Die Schicksalsgemeinschaft wird durch puren, nackten Lebenswillen zusammengehalten. Wie lange geht das gut? Welche Gruppendynamik entwickelt sich in einer solchen Extremsituation? Das Bergarbeiter-Hörspiel wird zu einem existentialistischen Drama. Weiterlesen…

Lesungen

Literatur Live! No sleep `til Nottbeck


Die Planungen für den zehnten Geburtstag des Kulturgut Nottbeck laufen auf Hochtouren. Für den 16./17. Juli erklären wir deshalb in weiser Voraussicht den kulturellen Ausnahmezustand. Das Haus wird zur Spielwiese für befreundete Autoren, Künstler und Musiker – und natürlich auch zur Flanier- und Verweilmeile für hoffentlich viele westfälische Kultur-Addicts. Geboten werden Lesungen, Performances und Musik – und das zwei Tage nonstop. Eine künstlerische Landnahme im wörtlichen Sinn: Lesungen im wunderschönen Apfelgarten, literarische Schlauchbootfahrten durch den „Festungsgraben“, eine Literaturlounge im Gartenhaus und verschrobener Stadionrock von den Erdmöbeln gibt es zu erleben. Am Sonntag startet die multimediale, von der LWL-Literaturkommission konzipierte Ausstellung “Ich schreibe, weil…” im Museum für Westfälische Literatur. Schon mit Blick auf das Jubiläum wurden zwei Jahre lang 36 westfälische Autorinnen und Autoren interviewt, u.a. Fritz Eckenga, Wiglaf Droste, Harald Hartung, Tilman Rammstedt, Erwin Grosche, Frank Goosen, Ralf Thenior, Burkhard Spinnen und Judith Kuckart. Das Ergebnis: Eine Essenz aus über 15 Stunden Filmmaterial, als großformatige Videoinstallation, bei der Autorinnen und Autoren ins Gespräch kommen. In den folgenden Wochen werden wir hier im Blog, die befragten Autoren und weitere Künstler und Projekte vorstellen.

Steffen Stadthaus

Ausstellungen, Autoren, Texte

Greetings from Sackistan


Gustav Sack Ausstellung im Heinrich Heine Museum Düsseldorf 14.4 – 22.5.2011

Roberto Bolanos großer Roman 2666 führt uns ein in die Riten der „Archimboldianer“. Eine sektenmäßig-akademische Verschwörung zur Feier und Erforschung des Werks des fiktiven deutschen Schriftstellers Benno von Archimboldi. Die Archimboldi-Verschwörer jagen von Kongress zu Konferenz, verfassen Essays und Aufsätze, pflegen subtilste Beziehungsnetzwerke und begeben sich schließlich auf den Spuren Archimboldis auf eine existentielle Reise ins Herz der Finsternis. Die Aktivitäten der hiesigen Gemeinde der Sack-ianer sind zwar weniger weltumspannend und bedrohlich, aber auch ihre Mitglieder betreiben seit einiger Zeit selbstlos und mit unermüdlichem Einsatz Feier und Exegese des Sacks’schen Oeuvres. Ziel ist die Vermehrung seines literarischen Ruhms. Die Zahl der Fürsprecher dieses so immens spannenden expressionistischen Außenseiters ist ja leider immer noch sehr gering. Weiterlesen…

Ausstellungen, Autoren, Texte, Topics

Bauernland in Arbeiterhand

Schreibwelten-Erschriebene Welten. Beiträge zur Ausstellung zum 50. Geburtstag der Gruppe 61 vom 19.05.2011 – 03.07.2011 in Nottbeck

Im kommenden Monat ist es soweit: das Nottbecker Bauernland fällt in Arbeiterhand. Eine von Gertrude Cepl-Kaufmann, Jasmin Grande und Hanneliese Palm kuratierte Ausstellung zur Dortmunder Gruppe 61 und ihrer Literatur der Arbeitswelt gastiert in Nottbeck. Für uns ein Anlass, in den nächsten Wochen in einem Schwerpunkt literarische Highlights, Facts und Wissenwertes zur Gruppe 61 zu repräsentieren.

Beginnen wollen wir mit einem kurzen Hinweis auf eine vom Fritz-Hüser-Institut organisierte wissenschaftliche Konferenz zur Gruppenliteratur, die am letzten Wochenende im Dortmunder Rathaus stattfand. Weiterlesen…

Portraits, Provinz, Texte

Poetry Splits

Christoph Wenzel liest Adrian Kasnitz

Pils

Eine einzige Silbe, ein Fremder in diesem Landstrich
auf schmalem Fuß.
Ein goldner Leib, der sich unter den Griffen windet
ein junges Mädchen vor seiner Zeit.
An den Straßen, den Schienen liegt abgestreift die Haut.
Eine Büchse, eine Scherbe genügt
um die Taubheit aus den Fingern zu jagen. Mach ihn auf
den Kopf, füll ihn ab.

Das Klischee sagt: Der Westfale ist wortkarg, störrisch, muffig. Die Gedichte aus Adrian Kasnitz’  Band Den Tag zu langen Drähten sind westfälisch, und dies nicht nur insofern, als sie sich alle in Westfalen, seiner Landschaft, seinen Orten und seinen Eigenheiten bewegen. Weiterlesen…

Autoren, Portraits, Provinz, Texte, Topics

68, 69, aus

Hannelies Taschau hat 1978 einen Roman über die miefige münsterländische Provinz und den Verrat an Idealen der 1968er Bewegung geschrieben. Das Museum für Westfälische Literatur stellt Buch und Autorin in der Reihe „lost/found“ vor.

ER ist Ende, SIE Anfang zwanzig. ER ein smarter, karrierebedachter Junglehrer, dem die Herzen nur so zufliegen. SIE eine introvertierte angehende Journalistin mit Hang zum Trübsinn. Gemeinsam haben sie einen folgenschweren Entschluss gefasst. Raus aus der Stadt, hinein ins Grün, in die münsterländische Provinz. Kann das gut gehen? Natürlich nicht. Weiterlesen…

Ausstellungen, Autoren, Texte, Veranstaltungen

Die Herren in den grauen Anzügen


Ab dem 19. Mai in diesem Theater: Die nächste Nottbeck-Ausstellung blickt zurück auf die Dortmunder „Gruppe 61“, die vor 50 Jahren gegründet wurde. Sie hat noch heute einen guten Klang

Man stelle sich das einmal vor: Ein aufrechter Dortmunder Bibliothekar trommelt am Karfreitag 1961, einem arbeitsfreien Tag, all jene Autoren zusammen, die a) im Ruhrgebiet leben und arbeiten und b) diesen ihren Arbeitsalltag literarisch gestalten. Es war eine kleine, fast handverlesene Schar Herren, die sich zu diesem Datum in ihre Anzüge geschmissen hatte, Herren meist schon älteren Semesters, größtenteils langjährige Freunde und Weggenossen jenes umtriebigen Dortmunder Bibliothekars Fritz Hüser, eines beispielhaften Organisators und Multiplikators, der in seinem „früheren Leben“ selbst im Bergbau und in Werkhallen gearbeitet hatte.

Ohne seine Unerschrockenheit, ohne sein nimmermüdes Talent als Motor und Inspirator, hätte es die später legendäre Gruppe 61 nie gegeben. Hüser war ihr Geburtshelfer, geistiger Vater, Mäzen und Pate. Weiterlesen…

Autoren, Interviews, Portraits, Videos

Bücherlust und Druckertrost. 50 Jahre Presse Eric van der Wal

In einer Sonderausstellung zeigt die LWL-Literaturkommission bis zum 1.5.2011 im Museum für westfälische Literatur eine Auswahl aus dem Werk des Künstlers und Buchdruckers Eric van der Wal. Bücher aus seiner Druckerpresse wollen mit Augen, Nase und Händen erfahren sein. Vom Leporello über Endlosbücher bis hin zu Buchschachteln mit Fundstücken vom Strand reicht van der Wals gestalterische Fantasie. Betreut wird sein Buchprogramm von dem westfälischen Lyriker und Lektor Hans Georg Bulla. In Kooperation mit der Literaturkommission schuf der Dortmunder Filmemacher Jens Mayer ein kurzweiliges Portrait zum runden 50. Jubiläum. Auf den Spuren van der Wals entführt er uns in die zeitenthoben wirkende Druckwerkstatt im Norden Hollands, gibt Einblick in die Ausstellung und entlockt Hans Georg Bulla spannende Details über nun schon über 25 Jahre währende gemeinsame Buchproduktion.

Autoren, Portraits, Texte

Peter Hille. Bohemian Superstar

Bohème ist en vogue. Es scheint, als setze die als alternativlos betriebene Kapitalisierung der Lebensverhältnisse  wieder Sehnsüchte nach einer anderen, richtigen, wahren Existenz frei. Das Versprechen vom richtigen, im – noch – falschen Leben verkörperten unzählige Bohème-Generationen seit der frühen Moderne. Zum Beispiel auch die amerikanische Beat-Generation, die gerade eine Wiederentdeckung erfährt: Jack Kerouacs klassisches literarisches Roadmovie „On the Road“ verlegte der Rowohlt Verlag in einem groß beworbenen  „Directors Cut“ neu und Allen Ginsberg wurde zum Helden des Biopic „Howl“. Der richtige Zeitpunkt also, um –  back to roots, quasi –  an den wahren König aller Bohèmiens, an den westfälischen Autor Peter Hille, himself, zu erinnern. Im folgenden daher eine kleiner bohemistischer, ganz unliterarischer Leistungsvergleich, der fünf Gründe auflistet, warum man sich 2011 statt Ginsberg und Kerouac noch einmal mit dem „heiligen“ Dichter Peter Hille beschäftigen sollte: Weiterlesen…

Autoren, Veranstaltungen

Die Jungfrau in der Küchenschlacht

Kochbücher waren nicht nur im Zeitalter der TV-Köche die Blockbuster des Buchmarkts. Die kulinarische Buchkultur boomte schon im 19. Jahrhundert. Der Autor Hans Dieter Treeck würdigt die Klassikerin dieses Genres, deren Auflagenzahlen selbst Jamie Oliver erblassen lassen würden. Die Rede ist von Henriette Davidis. Die Westfälin, der in ihrem Geburtsort Wengern/Ruhr ein eigenes Museum gewidmet ist, prägte mit ihren Kochbüchern und Erziehungsfibeln ganze Generationen deutscher Ess- und Erziehungskultur. Am 24.2  stellt Dieter Treeck zusammen mit der Schauspielerin Kriszti Kiss sein Davidis-Lesebuch vor, das 2011 in  „Nylands kleiner westfälischer Bibliothek“ erschienen ist. Einen kulinarischen Appetizer bekommt die Lesung durch ein stilechtes 3-Gänge-Menü à la Henriette Davidis, serviert im KulturCafé Haus Nottbeck. Weiterlesen…

Autoren

Auf sie mit Idyll. Ein Wiglaf-Droste-Buch und Nottbeck Shows.

Wer wissen möchte, was ein Intimlurch, eine Jesuitenqueen oder ein Jetluder ist, der schlage…. nein, nicht im Duden, sondern bei Wiglaf Droste nach. In seinem neuen Band mit Aperçus und Uppercuts lässt der Autor seinen Blick schweifen und spießt auf, was einfach aufgespießt werden muss. Er räsoniert,  fabuliert, stänkert, er regt sich auf und wieder ab – und das alles auf eine ganz spezielle, unnachahmliche Art und Weise. Er dichte aus Notwehr, hat Droste einmal gesagt, und weil’s ihm einfach Spaß mache. Und genau diese Lust an feinst gedrechselter Wortkunst ist ansteckend und entwaffnend. Während auf der anderen Seite schwere Geschütze aufgefahren und saure Zitronen verteilt werden – etwa an Guido Westerwelle, Till Schweiger oder Fernsehkoch Lafer.

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Autoren, Provinz, Texte

Poetry

Christoph Wenzel

THTR

und endlich fällt der kühlturm
in den blick – ein echtes glücksgefühl:
ja das ist heimat nach den langen fahrten
zerfallen vom rücksitz die alphabete
in kennzeichen wir raten kilometerlang
die städte im stau eine art störfall
auf der bahn: ein munteres spiel mit tennis-
bällen lottokugeln aus graphit und bor
die sonne strahlt und wir brüten in raten
das heimweh aus man könnte ganze wüsten-
gebiete damit zubauen
und der kopf glüht rot
wie ein durchgebrannter reaktor im radio
ist das wetter die wichtigste nachricht
dieser tage zu hause gibt es gemüse in dosen
von bonduelle und becquerel in den wiesen
hängen die winde von osten im vergleich
nur ein wölkchen hier zum geburtstag
(da liegt nichts vor) gibts die geschenke
erst nachträglich: zerfallsprodukte
helium aus luftballons und ein echtes theater
ohne vokale

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Texte, Topics

zwischen weingummi, schokoriegeln und marmorkuchen. der SuKuLTuR-Verlag und seine lesehefte.

Schon eine bezwingende Idee: Der Suhrkamp-Verlag nährt sich dem Rentenalter und bietet zum Sechzigsten ein exklusives Raphael Horzon Regal, befüllt mit 800 bunt schillernden Bänden der geschichtsträchtigen „Edition“. Bitter nur: mit 5990 Euro ein Spass allein für professorale Besserverdiener. Abgeschaut hat Suhrkamp sich die Idee für diese monströse Schuberlösung bundesrepublikanischer Intellektuellenhistorie – so steht zu vermuten – vom Sukultur-Verlag, der schon seit einigen Monaten – zum juvenileren zehnjährigen Verlagsjubiläum – eine quietsch-gelbe, kurzweiligere und wahrscheinlich auch unterhaltsamere Sammleredition anbietet: die Sukultur-Box. Nummer eins bis hundert der verlagstypischen, knapp 20-seitigen Lesehefte, altogether. Weiterlesen…

Autoren, Portraits

Deutsche Texte, schräge Harmonien.

Barbara Morgenstern ist im positiven Sinn eine Unberührbare. Sie existiert in ihrer ganz eigenen – also in einer der besten aller Popwelten –  die so gar nichts zu tun hat mit der tumben deutschrockigen Restwelt von „Wir sind Helden“ und „Zwei Raum Wohnung“. Wenn es überhaupt einer Analogie bedarf, dann lassen sich musikalische Verwandtschaften mit den märchenhaft-idiosynkratischen  Elfenklängen isländischer Künstler wie múm oder Sigur Rós  erkennen. Weiterlesen…

Autoren, Portraits

“Kunst geht nach Brot.” Zum Tod von Imo Moszkowicz

Am 11. Januar 2011 ist der große Schauspieler und Regisseur Imo Moszkowicz im Alter von 85 Jahren verstorben. Dem Museum für Westfälische Literatur war der gebürtige Ahlener verbunden. In Rahmen des Projekts „Jüdische Schriftsteller und Schriftstellerinnen in Westfalen“ veranstaltete Moszkowicz einen Workshop im Kulturgut. Auch eine Hör-CD mit Klassikern der jüdischen Literatur- und Geistesgeschichte entstand in Zusammenarbeit. Ulrich Schmidt hat einen Nachruf verfasst:    Weiterlesen…

Autoren, Portraits

“Aufreizung gegen die Autorität”. Zum Geburtstag des Schriftstellers Thomas Valentin

Wir möchten den Blog in regelmäßiger Unregelmäßigkeit dafür nutzen, Autoren zu würdigen, Ereignisse und Anekdoten der westfälischen Literaturgeschichte zu dokumentieren und an Bücher zu erinnern, die man ganz einfach mal wieder lesen sollte.

Der Autor Thomas Valentin scheint von einem der unzähligen schwarzen Löcher der Literaturgeschichte verschluckt worden zu sein. Ein untrüglicher alltagspraktischer Beweis ist die Abwanderung seiner einstmaligen Bestseller-Romane in die Magazinkatakomben meiner Stadtbibliothek. Sein heute sich jährender Geburtstag (13.1.1922-22.12.1980) soll deshalb genutzt werden, an Valentin zu erinnern.

Valentin war ein literarischer Senkrechtstarter: sein Debütroman erschütterte 1961 die gemäßigt-sozialkritische Literaturlandschaft in „Adenauerland“. Als 1968 noch in weiter Ferne lag, war es Valentin, der in seinem Roman als erster mit der nazistischen Elterngeneration abrechnete. Weiterlesen…

Autoren, Videos

Barbara Morgenstern

Barbara Morgenstern ist mit ihrem neuen fantastischen Album  “Fan No. 2″ am 10. Februar zu Gast bei uns auf dem Kulturgut! Bitte alle kommen!

Beginn: 20.00 Uhr

Autoren, Provinz, Texte

Deutschlandlied

Nach mehreren Stücken des wirklich guten …
auf Haus Nottbeck

Die Früchte: die Früchte überhaupt sind
zu fragen, wenn nirgends was fällt. Zu fragen ist,
was der Fruchtraum der Welt von Pflückungen hält, welche
Typen und Mengen und Größen erlaubt sind und welche

Armeslängen; denn wenn man den Fachleuten glaubt, ist ja
Himmelsentfernung im Rahmen der jüngeren Umwelt-
debatten ein kritisches, gradezu tückisches Feld, das
nicht zu beackern das Oben des Bodens beraubt, das heißt:

des Greifens nach oben – und nicht zuletzt der Boden an sich:
Was stehen, was gehen zu lassen? Dürfen wir wirklich die
Dinge in dieser Ordnung verbinden? Sollten wir nicht versuchen, die

Schnittmengen süßend, die Hitze zu nutzen, damit unser Ringen uns
dermaleinst verbindet? Dann sollte ein hartes Werk uns gelingen, vielleicht
nicht ganz wie bei Muttern, der Pflaumenkuchen.

Thomas Krüger, September 2010

Ausstellungen, Autoren

Ein verbummelter Student

“Mit der apodiktischen Gewißheit, dass keiner unserer Verlegernarren es druckt.“

Austellung: Gustav Sack – Ein verbummelter Student. Enfant terrible und Mythos der Moderne im Museum für westfälische Literatur in Nottbeck“.

Nachlässe von Dichtern wie Gustav Sack sind weltvergessen und trotzen dem literarischen Tagesbetrieb. Fast ein Frevel, solch lichtempfindliche Wesen ihre Einsamkeit zu rauben, nur um sie fremden, flüchtigen Blicken auszusetzen. Das Museum für Westfälische Literatur verwandelte sich deshalb anlässlich seiner großen Gustav-Sack Retrospektive in ein begehbares Archiv – der packpapiernen Innenwelt eines großen hölzernen Überseekoffers, dem ursprünglichen Aufbewahrungsortes des Nachlasses, nachempfunden. Hier sind sie nun versammelt, Sacks Skizzen, Manuskripte und Briefe. So, als hätte sie der Dichter gerade dort verstaut, um – zeitlebens blieb ihm das versagt – irgendwann doch noch mal einen Verleger für sie zu finden. Weiterlesen…

Interviews, Lesungen

Krieg, Streiks und Serienkiller

Hallo Herr Peace:

Was waren ihre Eindrücke auf der Fahrt nach Nottbeck?

Well, es regnete und es war pechschwarz und irgendwie fühlte ich mich gleich an meine Heimat West Yorkshire erinnert.

Viele Autoren entwickeln einen sentimental-melancholischen Blick auf die Orte ihrer Kindheit. Bei Ihnen das genaue Gegenteil: West Yorkshire wirkt in ihren Red Riding Romanen wie ein dantisches Inferno? Was ist schief gelaufen?

Ich empfand das so als, ich den 70er Jahren dort aufwuchs. Es war die Zeit der großen Rezession, die alten Industrien – Kohle, Stahl und Textil – wurden systematisch zerstört, es gab den Krieg in Nordirland, Streiks. Und dann war da noch der Serienkiller, der Yorkshire Ripper. Es war eine tiefschwarze Zeit im Norden Englands. Natürlich habe ich glückliche Familienerinnerungen, aber …alles in allem empfand ich sehr düster. Weiterlesen…

Lesungen, Portraits, Veranstaltungen

Todtraurig und Kafkaesk

Der Krimiautor Ernesto Mallo.

Ein Portrait anlässlich seiner Lesung in Nottbeck.

Wirtschaftskrisen sind ein Fluch. Kulturell können sie aber auch positive Impulse zeitigen. Die argentinische Literaturszene boomt seit dem Staatsbankrott vor zehn Jahren wie noch nie. Wie Lebendig und vielfältig sie ist, konnte man auf der letztjährigen Frankfurter Buchmesse erleben. Der 1948 in River Plate geborene Ernesto Mallo, der am 9.10.2010 im Rahmen des Krimifestivals „Mord am Hellweg“ in Nottbeck gastierte, ist einer ihrer Stars.

Der Autor

Seine Karriere bestätigt die obige These vom kulturellen Mehrwert der Krise. Ohne sie wäre Mallo kein freier Schriftsteller geworden. Vor dem wirtschaftlichen Niedergang verdiente Mallo sein Geld als Drehbuchautor, als Spezialist für Schlussszenen – um genau zu sein. Er sprang in die Bresche, wenn Regisseure und Dramaturgen am Happy End verzweifelten oder ihnen die Ideen für den Plot ausgingen. Er war ein Lebensretter für kriselnde Filmprojekte. Als die gesamte Filmindustrie darniederlag, war auch für Mallo kein Platz mehr. Notgedrungen verlegte er sich aufs Romaneschreiben. So um 2003 war das. Weiterlesen…

Provinz, Topics

Provinz!

Erkundungen eines kulturellen Aggregatzustands

Aus dem Hinterland schreiben wir. Aus Nottbeck, um genau zu sein. Die Landschaft ist weit hier, die Wolken hängen tief und die Metropolen sind ziemlich weit weg. Provinz eben – als konkreter kultureller Erfahrungsraum. Doch was bedeutet das eigentlich? Dass Provinz nicht nur topografisch sondern auch begrifflich ein weites Feld ist, daran erinnerte der Kuturhistoriker Herrmann Glaser schon in den Siebziger Jahren. Glaser beklagte eine fehlende intellektuelle Durchdringung ihres spezifischen „Aggregat- und Realisierungszustandes“. Den schillernden Begriff der Provinz zu beleuchten, und dem Aggregatzustand „Provinz“ 2010 auf die Spur zu kommen drängt sich in Nottbeck unmittelbar auf, wird zum konkreten Bedürfnis. Weiterlesen…